Polizei verfolgt neue Spur: Ludwigshafener Opfer werden überführt
zuletzt aktualisiert: 09.02.2008 - 18:33Ludwigshafen (RPO). Vor einer Woche sind bei dem schlimmen Brand in einem Ludwigshafener Wohnhaus neun Menschen ums Leben gekommen. Am morgigen Sonntag wird in einer Trauerfeier den Verstorbenen gedacht. Im Anschluss sollen die Opfer türkischer Herkunft in ihre Heimat überführt werden. Die Hintergründe des Brandes, bei dem neun Menschen starben und 60 verletzt wurden, sind weiter unklar.
Nach der Trauerfeier soll am Nachmittag in Frankfurt am Main ein Flugzeug mit den sterblichen Überresten der Toten sowie Familienangehörigen nach Gaziantep in Anatolien starten. In den türkischen Medien spielten die Ereignisse am Wochenende nur noch eine untergeordnete Rolle neben dem Kopftuchstreit.
Zu deutschen Medienberichten über Zweifel an der Glaubwürdigkeit der beiden Kinder, die in dem abgebrannten Wohnhaus einen Mann beim Zündeln beobachtet haben wollen, gab es am Wochenende keine Bestätigung. "Die Befragung der Mädchen ist überhaupt noch nicht beendet", sagte Oberstaatsanwalt Lothar Liebig.
"Wir werden noch ein Stück Geduld haben müssen." Wegen der Traumatisierung der acht und neun Jahre alten Kinder sei eine Befragung nur mit angemessenen Pausen möglich. "Bislang gibt es keine neuen Erkenntnisse", erklärte Liebig. Das erhoffte Phantombild eines möglichen Täters liege bislang nicht vor.
Keine Hinweise auf rechte Szene
Auch für eine Verwicklung der rechten Szene in die Brandkatastrophe gab es laut Polizei bis zum Wochenende keine konkreten Hinweise. Ein Zwischenergebnis der Ermittlungen will die Staatsanwaltschaft voraussichtlich am Montag bekanntgeben. Laut "Spiegel" wurden eine Hausbewohnerin und deren Schwägerin unmittelbar vor dem Brand während des Fastnachtszugs von einem jungen Paar als "Scheißtürken" beschimpft.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete unter Berufung auf ein Vernehmungsprotokoll, die Polizei zweifele an der Schlüssigkeit der Zeugenaussagen der zwei Mädchen. Sie hätten nur vage Angaben gemacht und sich bei der Beschreibung des Mannes widersprochen.
Ein Polizist fragte demnach eines der beiden Kinder nach der Haarfarbe des möglichen Täters, worauf das Mädchen "schwarz" geantwortet habe. Danach bejahte es die Frage nach Sommersprossen. Auf die Frage, was denn Sommersprossen seien, habe es geantwortet: "Weiß nicht."
Laut "Spiegel" vermuten die Brandermittler der Polizei nach einer Aussage des Großvaters der beiden Mädchen den Brandherd im Keller. Dem Mann zufolge hätten ihm die Kinder nichts von einem Fremden im Flur gesagt, berichtet das Magazin.
Kein Brandbeschleuniger im Keller gefunden
Sie hätten ihn mit den Worten "Es riecht verbrannt" auf das Feuer aufmerksam gemacht, daraufhin sei er ins Erdgeschoss gelaufen, wo die Kellertür und eine Wand zum Keller in Brand gestanden habe. Der Mann habe als einziger einen Kellerschlüssel gehabt und habe die Tür gewöhnlich verschlossen gehalten, schreibt der "Spiegel". Eine Suche nach Brandbeschleuniger im Keller sei erfolglos geblieben.
Der "Spiegel" berichtet zudem über Aussagen von Angehörigen der Opfer und früherer Mieter, dass die Elektrik des Brandhauses in einem maroden Zustand gewesen sei. Ständig seien Sicherungen herausgeflogen. Nach ersten Begutachtungen scheide aber der Sicherungskasten als Brandherd aus.
"Focus" zitiert einen Brandfachmann, dass die elektrischen Leitungen "unsachgemäß verlegt worden" seien. Laut "Focus" liegt der Polizei außerdem eine Zeugenaussage vor, dass im Keller des Gebäudes illegal Strom abgezapft wurde. Oberstaatsanwalt Liebig wies dies zurück: "Erkenntnisse über illegale Stromabnahmen liegen nicht vor", sagte er der AP.
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