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Sechsfachmord in Duisburg
Mafia-Akte lag sechs Wochen beim Übersetzer

Die Ermittlungen am Tatort
Die Ermittlungen am Tatort FOTO: ddp
Düsseldorf (RP). Die Akte der italienischen Polizei könne den tatsächlichen Erkenntnisstand der Polizei in NRW vor der Tat erhellen, sagte SPD-Innenexperte Karsten Rudolph. Möglicherweise hätten die Ermittler die "Gefahrenlage falsch eingeschätzt". Nach italienischen Medienberichten sollen den Fahndern detaillierte Informationen über gefährdete Personen vorgelegen haben. Von Jürgen Stock und Gerhard Voogt

Bei einer Sitzung des Innenausschusses erklärte das Innenministerium gestern, der Bericht der italienischen Polizei über die Aktivitäten des späteren Opfers Marco Marmo habe dem BKA am 29. Juni 2007 in italienischer Sprache vorgelegen. Nach der Übersetzung sei er am 7. August 2007 beim Polizeipräsidium Duisburg eingangen. Eine BKA-Sprecherin kündigte gestern auf Anfrage unserer Redaktion an, die Behörde werde prüfen, warum die Bearbeitung sechs Wochen gedauert habe. "Ein konkreter Hinweis auf ein geplantes Tötungsdelikt in Deutschland lag weder der Polizei Duisburg noch den Behörden in Italien vor", bekräftigte das Innenministerium.

Die Opposition beantragte gestern eine weitere Sondersitzung des Innenausschusses. "Die Äußerungen von NRW-Innenminister Ingo Wolf zu den schrecklichen Morden in Duisburg waren nicht ausreichend", sagte der SPD-Abgeordnete Rudolph. Wolf hatte zuvor erklärt, die Ermittler seien hoch motiviert und ermittelten zügig.

Trotz 350 Hinweisen fehlt der Duisburger Polizei bislang eine heiße Spur von den Tätern. Die Ermittler wollten gestern auch keine Stellung zu einem Bericht der Bild-Zeitung beziehen. Dort behauptet ein Zeuge, der Anschlag habe dem 39-jährigen Inhaber des Restaurants "Da Bruno" gegolten. Demnach habe sein eigener Clan ihn ermordet, weil er zu mächtig geworden sei. Die Polizei vermutet einen Krieg zweier Mafia-Clans als Hintergrund für die Bluttat.

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