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Natascha spricht über Details der Entführung: "Man hört das eigene Blut rauschen"

zuletzt aktualisiert: 04.01.2007 - 10:52

Wien (RPO). Natascha Kampusch hat mit eindringlichen Worten geschildert, wie sie sich während ihrer achtjährigen Gefangenschaft in einem Kellerverlies fühlte. "Man sieht nichts, hört nur das eigene Blut rauschen", sagt die junge Frau. Sie sei mehrmals fast gestorben und habe ständig Angst um das Leben ihres Entführers gehabt. Denn ohne ihn wäre sie verhungert.

 Foto: ORF/Ali Schafler
Foto: ORF/Ali Schafler

In einer Dokumentation, die im ORF und bei RTL ausgestrahlt wurde, berichtete die junge Österreicherin noch einmal von ihrer Entführung und dem achtjährigen Martyrium.

Sie beschreibt die bangen Stunden, die sie kurz nach ihrer Entführung ohne Licht im Kellerverlies verbrachte. "Wie es einem eben dabei ergeht, wenn man im Dunkeln ist. Man sieht nichts, man hört nur, man hört das eigene Blut rauschen, man spürt die Enge, die Kälte, man denkt viel nach", schildert sie ihre Angst.

Dazu kam die Furcht, dass dem Entführer etwas zustoßen könnte. "Es ist übrigens ein irrsinnig ungutes Gefühl, wenn man immer hoffen muss, dass er ja nicht stirbt, damit man nicht verrottet."

Am Tag ihrer Flucht habe sie gedacht, es müsse endlich etwas passieren. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken und eine Qual ohne Ende."

Mehrmals sei sie dem Tod nahe gewesen. "Ich wäre ein paar Mal fast gestorben, vor Hunger, vor Kreislaufschwäche. Und dann hat er mich halt wieder aufgepäppelt, was halt auch nicht lustig war", sagt Natascha.

Ihre Mutter Brigitta Sirny erinnert sich in der Dokumentation an den Tag, an dem ihre zehnjährige Tochter verschwand. "Ich habe ihr beim Fenster nachgeschaut und normal dreht sie sich um und winkt, aber an diesem Tag war sie böse und hat nicht gewunken und das war’s dann."

Sie habe immer wieder bereut, sich im Streit von Natascha getrennt haben. "Das hat mich in den acht Jahren auch sehr viel gekostet an Substanz. Ich habe immer wieder gesagt zu all meinen Kindern, man geht im Streit nicht auseinander, wer weiß, ob man sich wieder sieht. Sie müssen sich vorstellen, ich habe acht Jahre leben müssen mit diesem Satz."

Der Weg zurück ins Leben

Natascha Kampusch versucht nun, wieder ins Leben zurückzufinden. Die Befangenheit ihrer Gesprächspartner mache ihr besonders zu schaffen. Lachen sei ein wichtiger Teil normaler Begegnungen, aber im Umgang mit ihr verhielten sich die Menschen anders, beklagt die 18-Jährige.

Sie habe ständig Angst gehabt, verhungern zu müssen. Als Natascha im August aus ihrem Verlies fliehen konnte, wog sie 42 Kilo. Genauso viel wie acht Jahre zuvor, als verschleppt wurde. Damals war Natascha Kampusch zehn Jahre alt. "Er hatte einen sehr starken Geiz, was Nahrung betrifft, und er war fast wie ein Magersüchtiger, der es auf andere Leute übertragen hat", sagt Natascha über ihren Entführer. Die junge Frau berichtet von Misshandlungen. Manchmal habe sich Wolfgang Priklophil verhalten wie ein Dreijähriger, "aber natürlich ist es ein Unterschied, ob ein dreijähriges Kind auf jemanden eintritt, einbrüllt und zornig ist und alles kaputt macht, oder ob das ein 1,72 Meter grosser starker Mann ist".

Über den Tag ihrer Entführung im März 1998 sagte Kampusch laut Nachrichtenagentur APA: "Ich habe ihn schon von weitem gesehen und dachte mir, was hat dieser Mensch hier verloren? Irgendwie hatte ich ein Bauchgefühl und wusste, dass hier etwas nicht stimmt, beziehungsweise, dass er mir unheimlich ist." Sie habe versucht zu schreien, als der fremde Mann sie in sein Auto gezerrt habe, aber es sei kein Laut über ihre Lippen gekommen.

In ihrem Kellerverlies sei sie dann tagelang wach geblieben, weil sie Angst gehabt habe, dass ihr im Schlaf etwas zustoßen würde. "Man sieht nichts, man hört nur. Man hört das eigene Blut rauschen, man spürt die Enge, die Kälte, man denkt viel nach." Die damals zehn Jahre alte Natascha Kampusch war auf dem Schulweg entführt worden. Kurz nach ihrer Flucht im August nahm sich der 44-jährige Entführer das Leben.


 
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