Richter äußert sich öffentlich: Marco W.: Familie und Anwalt wollen schweigen
zuletzt aktualisiert: 29.06.2007 - 13:13Uelzen (RPO). Im Fall des in der Türkei inhaftierten Marco W. wollen sich dessen Familie und sein Anwalt bis zum Prozessbeginn am 6. Juli nicht mehr in der Öffentlichkeit äußern. Der zuständige Richter pochte unterdessen auf die Unabhängigkeit der türkischen Justiz.
Der Schüler war während eines Osterurlaubs in der Türkei verhaftet worden, weil er eine 13-jährige Engländerin sexuell missbraucht haben soll. Marco bestreitet die Vorwürfe.
Die in den vergangenen Tagen von Medien wiedergegebenen Aussagen des Mädchens habe man bislang nicht auf Authentizität prüfen können, weil entsprechende Übersetzungen in der Türkei noch nicht vorlägen, sagte Walther.
Der Richter im Prozess gegen den in der Türkei inhaftierten deutschen Jugendlichen Marco W. pocht auf die Unabhängigkeit der türkischen Justiz. In seiner ersten öffentlichen Äußerung zum Wirbel um den Schüler aus Niedersachsen sagte Richter Abdullah Yildiz nach einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" vom Freitag: "Die Justiz ist unabhängig." Inhaltliche Äußerungen zu dem Fall lehnte Yildiz ab; es gehe nicht an, dass sich ein Richter zu einem schwebenden Verfahren äußere.
Sondergesetze für Ausländer?
Yildiz wird sich als Richter am Schwurgericht von Antalya am Freitag kommender Woche in zweiter Sitzung mit dem Fall Marco W. befassen, dem sexueller Missbrauch einer Minderjährigen vorgeworfen wird. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu acht Jahre Haft. Laut "Hürriyet" verhängte ein Gericht in Antalya inzwischen eine Nachrichtensperre in dem Fall.
Der Umgang der deutschen Behörden und Medien mit dem Fall stößt in der Türkei weiter auf Kritik. Ali Suat Ertosun, ein Richter am Obersten Berufungsgericht in Ankara, sagte laut "Hürriyet", Deutschland betrachte die Türkei als "Kolonie", nicht als unabhängigen Staat.
Er frage sich, ob Deutschland in der Türkei Sondergesetze für Ausländer einführen wolle. Auf der einen Seite verlange die Bundesrepublik die Überstellung von Marco W., auf der anderen Seite verweigere sie aber die Auslieferung von Mitgliedern der kurdischen Untergrundorganisation PKK.
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