Antalya: Marco W. muss auf Urteil warten
zuletzt aktualisiert: 10.04.2009 - 16:04Uelzen/Antalya (RPO). Der Missbrauchsprozess gegen den Deutschen Marco Weiss ist erneut verschoben worden. Die Verhandlung vor dem Gericht in Antalya wird erst am 5. Juni fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft will erst dann ihre Erkenntnisse zu dem Fall darlegen. Eigentlich wurde für den (heutigen) Freitag mit einem Urteil gerechnet.
Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu dauerte die nichtöffentliche Anhörung am Freitag 20 Minuten. Dabei ging es um ein Gutachten aus Großbritannien zur psychischen Verfassung der Schülerin Charlotte, die nach Darstellung der Anklage von Weiss missbraucht wurde. Der Staatsanwalt bemängelte laut Anadolu, dass der Bericht von Betreuern und nicht von Ärzten erstellt wurde. Einen Antrag, ein neues Gutachten zu erstellen, lehnte aber der Richter in Antalya ab.
Der deutsche Anwalt des inzwischen 19-jährigen Weiss äußerte sich über die erneute Vertagung enttäuscht. "Ich hatte eigentlich bereits ein Ende des Prozesses und einen Freispruch erwartet", sagte Jürgen Schmidt am Freitag in Uelzen. Das Gericht wolle aber bis zum 5. Juni allen Beteiligten noch Gelegenheit geben, ihre Plädoyers vorzubereiten. "Ich hoffe nun, dass der Prozess am 5. Juni zu Ende geht", sagte Schmidt. Eine Gewähr gebe es dafür nicht.
Weiss nicht persönlich vor Gericht
Weiss' Anwälte gingen eigentlich davon aus, dass das Gericht am Freitag die Beweisaufnahme schließt und es zu den Plädoyers und unter Umständen zu einem Urteil kommt. Der Prozess läuft bereits seit Juli 2007. Weiss nimmt daran nicht mehr teil, seit er im Dezember 2007 nach acht Monaten aus der türkischen Untersuchungshaft freigelassen wurde.
Ihm wird vorgeworfen, am 10. April 2007 im Türkei-Urlaub das damals 13 Jahre alte Mädchen aus England sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklage soll der damals 17-jährige Schüler gegen ihren Willen sexuellen Kontakt mit ihr gehabt haben, während sie im Hotelbett schlief.
Weiss hat die Vorwürfe stets bestritten und ausgesagt, Charlotte habe sich für 15-jährig ausgegeben, und er habe mit ihr nur einvernehmlich Zärtlichkeiten ausgetauscht. Gegen ihn wird auch in Deutschland ermittelt.