Bankers-Gattin wurde erstochen: Maria Bögerl ist tot
zuletzt aktualisiert: 04.06.2010 - 19:22Heidenheim (RPO). Die entführte Bankers-Gattin Maria Bögerl aus Heidenheim ist von ihrem Entführer erstochen worden. Das habe eine Obduktion der Leiche am Freitag in der Rechtsmedizin Ulm ergeben, teilte die Polizei mit. Demnach waren mehrere Stichverletzungen die Todesursache.
Allerdings gebe es bisher keinen letzten Aufschluss über den Todeszeitpunkt der 54-Jährigen, sagte der Leiter der Polizeidirektion, Volker Lück, am Abend auf einer Pressekonferenz. Es sei möglich, dass die Bankers-Gattin bereits am Tag ihrer Entführung umgebracht worden sei.
Die vor drei Wochen entführte Maria Bögerl war am Donnerstagabend kurz vor 20.00 Uhr von einem Spaziergänger mit Hund zwischen Nietheim und Niesitz entdeckt worden; sie war mit Ästen abgedeckt. Von dem Entführer gibt es bisher keine heiße Spur.
Mit dem Tod bedroht
Zur Tatzeit - am Vormittag des 12. Mai - waren zwei unbekannte Männer in der Nähe des Wohnhauses der Familie Bögerl in Heidenheim-Schnaitheim gesehen worden. Einer von ihnen, angeblich ein Anhalter, war am Nachmittag in Nietheim unterwegs. Nach ihm wird mit Phantombild gesucht.
Die Polizei hatte das Waldstück, in dem die Leiche gefunden wurde, bei ihren Suchaktionen durchkämmt. Ob die Tote zu diesem Zeitpunkt schon dort lag, ist nicht bekannt. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur DAPD, an der Stelle befinde sich kein höhlenartiges Versteck. Das letzte Lebenszeichen erhielt ihr Ehemann am Tag der Entführung, dem 12. Mai, beim Anruf des Täters um 11.20 Uhr. Bögerl sagte, sie sei mit dem Tod bedroht worden.
Neue Informationen gab die Polizei auf der Pressekonferenz auch zur gescheiterten Geldübergabe am 12. Mai: Laut Lück konnte die geforderte Lösegeldsumme von 300.000 Euro nicht in der vom Entführer geforderten Zeit beschafft werden. Erst um 15.27 Uhr, rund eine halbe Stunde später als verlangt, habe Ehemann Thomas Bögerl das Geld an der vom Täter mit einer Deutschlandflagge markierten Stelle auf einem Parkplatz an der Autobahn 7 ablegen können.
Müllsack mit Lösegeld
Dort wurde es dann bis zum frühen Morgen des 13. Mai (Christi Himmelfahrt) nicht abgeholt. Den Müllsack mit dem Lösegeld sammelten Mitarbeiter der Autobahnmeisterei bei einer routinemäßigen Streckenkontrolle am frühen Morgen des 13. Mai ein. Die Leiche der Entführten wurde laut Polizei nun etwa 1.000 Meter von der Ablagestelle entfernt entdeckt.
Der Polizeidirektor räumte auch erstmals ein, dass Bögerl sofort nach Erhalt des Entführeranrufs in seinem Büro die Polizei informierte. Die Polizei gehe "von einem Täter aus der näheren Umgegend" aus.
Die Ehefrau des Heidenheimer Sparkassendirektors wurde im eigenen Auto entführt. Den Wagen hatten Besucher des 20 Kilometer entfernten Klosters Neresheim bereits am 14. Mai auf dem Parkplatz entdeckt. Auf dem Beifahrersitz wurden Blutspuren der Entführten gefunden. Ihr Handy fanden Suchtrupps der Polizei am Nachmittag desselben Tages: Es lag laut Polizei mehrere Kilometer von dem Fundort der Leiche entfernt.
Hat die Polizei den Täter verschreckt?
"Natürlich sind am Tag der Entführung auch Unterstützungskräfte der Polizei in der gebotenen Eile mit Blaulicht und Martinshorn in Richtung Heidenheim gefahren", bestätigte Lück am 28. Mai. Diese hätten ihr Signal aber rechtzeitig vor dem Einsatzort abgeschaltet beziehungsweise demontiert. In Berichten war spekuliert worden, dass das Polizeiaufgebot den Täter verschreckt haben könnte.
Der Sonderkommission "Flagge" mit 80 Beamten, verstärkt durch Spezialisten des Landeskriminalamts, arbeitete an rund 1.000 Spuren unter den insgesamt 2.200 Hinweisen aus der Bevölkerung.
Am 19. Mai hatten der Ehemann und die erwachsenen Kinder der Entführten in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy... ungelöst" einen verzweifelten Appell an den Täter gerichtet.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







