Untersuchung auf der "Gorch Fock": Marineteam beginnt mit Befragung
zuletzt aktualisiert: 28.01.2011 - 13:33Berlin (RPO). In der Affäre um das Segelschulschiff "Gorch Fock" will jetzt ein Untersuchungsteam an Bord mit der Befragung der Soldaten beginnen. Das Team unter Führung des Marineamtschefs Horst-Dieter Kolletschke sei kurz vor Mitternacht deutscher Zeit im argentinischen Ushuaia eingetroffen, sagte ein Marinesprecher am Freitag in Berlin.
Sie sollen dort Vorwürfen nachgehen, wonach auf Offiziersanwärter an Bord übermäßiger Druck ausgeübt worden sein soll. Noch am Freitagabend deutscher Zeit (18.00 Uhr) wollte Kolletschke über den Beginn der Untersuchungen informieren.
Unterdessen will Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eine Stilllegung des Segelschulschiffs trotz des Wirbels um ungeklärte Todesfälle möglichst vermeiden. "Es wäre wunderbar, wenn die 'Gorch Fock' weiter segeln könnte", sagte der CSU-Politiker am Freitag in Berlin. Er wies erneut den Vorwurf zurück, bei der Suspendierung des "Gorch Fock"-Kommandanten Norbert Schatz auf Druck der Boulevardpresse gehandelt zu haben. Grundlage seiner Entscheidung seien ausschließlich eigene Überzeugungen sowie Empfehlungen der Militärführung gewesen. "Der Vorwurf des Bauernopfers ist schlicht eine Frechheit", sagte er.
Zehnköpfiges Ermittlungsteam an Bord
Das Untersuchungsteam an Bord des Schiffes besteht aus rund zehn Personen. Neben drei Rechtsberatern sowie Mitarbeitern aus dem Büro des Wehrbeauftragten zählt dazu auch der Havariebeauftragte der Marine, Michael Brühn. Er soll das Schiff zurück nach Deutschland segeln. Der 55-Jährige war von August 2001 bis Februar 2006 selbst Kommandant des Schiffes. Vor einer Woche hatte Guttenberg Schatz abgesetzt und das Schiff zurück in seinen Heimathafen Kiel beordert. Ein zweites Untersuchungsteam soll an der Marineschule Mürwik in Flensburg die im Raum stehenden Vorwürfe prüfen.
Anlass für die Untersuchung ist der Unfalltod einer 25-jährigen Kadettin, die bei einem Sturz aus der Takelage am 7. November vergangenen Jahres ums Leben gekommen war. Anschließend war es auf dem Schiff zu Vorfällen gekommen, die den Vorwurf der Meuterei nach sich zogen. Angeblich verweigerten sich damals Offizieranwärter dem Befehl, auf die Takelage zu klettern. Vor wenigen Tagen hatte der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus die Missstände auf dem Segelschulschiff öffentlich gemacht. Dabei war auch die Rede und von einem zerrütteten Verhältnis zwischen Mannschaft und Schiffsführung.
Landtag will sich zur "Gorch Fock" bekennen
Die Affäre um die Dreimast-Bark beschäftigte am Freitag auch den schleswig-holsteinischen Landtag. CDU, SPD, FDP, Grüne und Südschleswigscher Wählerverband (SSW) wollten am Nachmittag einen gemeinsamen Antrag verabschieden, in dem sie sich zu dem Patenschiff des Parlaments bekennen. Die Vorwürfe müssten "unverzüglich und rückhaltlos" aufgeklärt werden. "Vorverurteilungen sind hierbei genau so wenig hilfreich wie voreilige Schlussfolgerungen", heißt es in dem Papier. Verteidigungsminister Guttenberg müsse geeignete Maßnahmen ergreifen, "um auch in der Zukunft einen Ausbildungsbetrieb auf dem Segelschulschiff zu ermöglichen, der seiner Vorbildfunktion für die Marine und darüber hinaus gerecht wird".
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