Deutsche Bischofskonferenz: Maßnahmenkatalog zur Missbrauchs-Prävention
zuletzt aktualisiert: 23.09.2010 - 13:36Fulda (RPO). Als Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche setzt die Deutsche Bischofskonferenz verstärkt auf Vorbeugung. Die Bischöfe stellten am Donnerstag in Fulda einen Katalog von Präventionsmaßnahmen vor. Er soll in allen katholischen Einrichtungen in Deutschland umgesetzt werden, um künftig sexuelle und gewaltsame Übergriffe zu verhindern.
Die Rahmenordnung fordert, das Thema Prävention bei der Auswahl und Fortbildung des Personals zu berücksichtigen. Jedes der 27 Bistümer soll zudem eine Stelle einrichten, die sich um Präventionsfragen kümmert. Für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit wird ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis gefordert. Außerdem macht die Kirche die Unterzeichnung einer Selbstverpflichtungserklärung verbindlich.
Weiterhin fordern die Bischöfe, dass kirchliche Einrichtungen klare Verhaltensregeln für ein angemessenes Nähe-Distanz-Verhältnis und einen respektvollen Umgang zwischen Mitarbeitern und den betreuten Kindern und Jugendlichen entwickeln. Kirchliche Arbeitgeber sollen Dienstanweisungen und hausinterne Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen erlassen können, die auch arbeitsrechtliche Verbindlichkeit haben. Diözesen, kirchliche Institutionen und Verbände werden aufgefordert, Beratungs- und Beschwerdewege für Kinder und Jugendliche, Erziehungsberechtigte und Mitarbeiter einzurichten.
Zudem verlangt die Rahmenordnung, dass alle für den Bereich Kinder- und Jugendarbeit in leitender Verantwortung Tätigen zu Fragen der Prävention gründlich geschult werden. Alle, die bei ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, sollen insbesondere befähigt werden, dass sie Hinweise auf sexuellen Missbrauch erkennen und mit diesen angemessen umgehen können.
Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, betonte, die katholische Kirche wolle transparente, nachvollziehbare und kontrollierbare Strukturen und Prozesse zur Vermeidung von Missbrauch schaffen. Sie fange dabei aber nicht bei Null an, sondern könne auf viele Erfahrungen und Projekte aus Bistümern und Verbänden zurückgreifen. Auch die Orden seien an der Erarbeitung der Regeln beteiligt gewesen.
Ackermann stellte zugleich das von der Bischofskonferenz ins Leben gerufene Internetportal www.praevention-kirche.dbk.de vor. Es soll Eltern und Bürger, die Verantwortung für Kinder und Jugendliche tragen, über Prävention informieren und miteinander vernetzen. Unter Rubriken wie Bildung, Jugend, Freizeit und Sport, Familie sowie Pflege und Betreuung werden Angebote der katholischen Verbände zum Thema Prävention sowie Materialien nicht-kirchlicher Beratungsstellen angeboten.
Bereits Ende August hatten die Bischöfe verschärfte Leitlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger vorgestellt. Erste Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch unter dem Dach der katholischen Kirche waren Ende Januar in Berlin bekannt geworden. Danach gab es monatelang weitere Enthüllungen aus nahezu allen Diözesen.
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