Prozessbeginn für Bischof der Pius-Bruderschaft: Maulkorb für Holocaust-Leugner Williamson
zuletzt aktualisiert: 15.04.2010 - 15:24Regensburg (RPO). Gegen den Holocaust-Leugner Richard Williamson wird am Freitag wegen Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Regensburg verhandelt. Der Bischof der umstrittenen ultrakonservativen Piusbruderschaft wird aber nicht selbst vor Gericht erscheinen. Die Piusbruderschaft habe Williamson ohne Nennung von Gründen einen öffentlichen Auftritt untersagt, erklärte sein Anwalt Matthias Loßmann.
Ohne einen solchen Maulkorb von oben wäre sein Mandant wohl zu der Verhandlung erschienen. Nach Angaben des Anwalts hat der Generalsekretär der Piusbruderschaft, Christian Thouvenot, Williamson zudem angewiesen, sein Blog und seine Internetseite zu schließen. Verteidiger Loßmann will einen Freispruch seines Mandanten erreichen.
Gegen Williamson war ein Strafbefehl über 12.000 Euro ergangen, gegen den er Widerspruch einlegte. Deshalb kommt es nun - ausgerechnet am 83. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. - zu einer öffentlichen Verhandlung.
Williamson hatte in einem Fernsehinterview des schwedischen Senders SVT behauptet, die historischen Tatsachen sprächen gegen die Vergasung von sechs Millionen Juden im Zweiten Weltkrieg. Das Interview wurde im November 2008 im bayerischen Zaitzkofen im Landkreis Regensburg aufgezeichnet, wo die Piusbruderschaft das Priesterseminar "Herz Jesu" betreibt.
Großes Medieninteresse
Für den Prozess ist zunächst nur ein Verhandlungstag angesetzt. Das Medieninteresse ist groß: Etwa 40 Journalisten aus dem In- und Ausland haben sich nach Angaben des Gerichtssprechers angemeldet. In ihrem Strafbefehl gehen die Ermittler davon aus, dass Williamson einkalkuliert habe, mit seinem Interview in Deutschland Aufsehen zu erregen. Deshalb wertete die Staatsanwaltschaft sein Verhalten als Volksverhetzung.
Williamson ist einer von vier Pius-Brüdern, die 1988 ohne Zustimmung des Papstes zum Bischof geweiht und daraufhin exkommuniziert worden waren. Wenige Tage nach der Holocaust-Leugnung hob Benedikt XVI. die Exkommunikation wieder auf, der Vatikan verlangte aber wenig später eine Entschuldigung von Williamson für seine Äußerungen.
Inzwischen hat der Vatikan einen Dialog mit den konservativen Traditionalisten begonnen, um sie wieder in die katholische Kirche aufzunehmen. Über den aktuellen Stand der Gespräche konnte die Deutsche Bischofskonferenz auf Nachfrage aber keine Auskunft geben.
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