Mordfall Michelle: Maulwurf bei Polizei gesucht
zuletzt aktualisiert: 03.09.2008 - 13:04Leipzig (RPO). Streng vertrauliche Informationen aus den Ermittlungen zu dem Mordfall Michelle wurden von einem Informanten an Boulevardzeitungen weitergegeben. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat nun ein Ermittlungsverfahren wegen Geheimnisverrats eingeleitet.
Geklärt werden solle, wer die Informationen an zwei Boulevardblätter weitergegeben habe, sagte Behördensprecher Ricardo Schulz am Mittwoch. Gesucht wird auch in der 177-köpfigen Sonderkommission. Die Staatsanwaltschaft prüft ferner, ob auch ein Ermittlungsverfahren gegen Journalisten wegen Anstiftung oder Beihilfe zum Geheimnisverrat eingeleitet wird.
Schulz sagte, mit der Weitergabe möglicher interner Details aus der Sonderkommission sei der Erfolg der Ermittlungen gefährdet worden. Es werde nun geprüft, wo die undichte Stelle sei. Er wandte sich zugleich gegen eine "reißerische Darstellung". Polizeipräsident Horst Wawrzynski sagte der "Leipziger Volkszeitung", die Veröffentlichung von Einzelheiten behindere die Ermittlungen und könnte zudem bei einem späteren Prozess nachteilig sein.
Die "Bild"-Zeitung hatte am Dienstag unter Berufung auf das Obduktionsergebnis unter anderem berichtet, Michelle sei sexuell missbraucht und anschließend erstickt worden. Die "Morgenpost Sachsen" berichtete in ihrer Mittwochausgabe ausführlich über angebliche Ermittlungsergebnisse.
Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, hatte die Polizei in dem Fall eine Nachrichtensperre verhängt. Michelle war am 18. August auf dem Heimweg von ihrer Grundschule spurlos verschwunden. Vier Tage später wurde sie in einem Leipziger Park tot aufgefunden.
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