Nur wenig Protest: McDonald's: Auffällig unaufällige Eröffnung in Kreuzberg
zuletzt aktualisiert: 14.09.2007 - 20:55Berlin (RPO). Was wurde im Vorfeld nicht für ein Geschrei gemacht: "Nein, kein McDonald's nach Kreuzberg!", "Weg mit McDoof!". Die Baustelle wurde rund um die Uhr von Sicherheitsleuten bewacht. Am Freitag dann die Eröffnung. Von Protestlern war fast nichts zu sehen, für die wenigen interessierten sich allenfalls Pressevertreter. Dafür freuten sich viele Schüler der benachbarten Berufsschule.
Bereits vor fünf Jahren verkaufte die Post das Grundstück an der verkehrsreichen Skalitzer Straße an die Fastfood-Kette, im Mai begannen die Bauarbeiten. Sofort gründete sich eine Bürgerinitiative. Zwischenzeitlich versuchten mehr als 100 Mitstreiter, die Ansiedlung der Filiale in dem bisher von kleinen Geschäften und Imbissbuden geprägten Stadtteil zu verhindern. Auch der Kreuzberger Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele mischte mit. Er kritisierte insbesondere den Standort in unmittelbarer Nähe einer Schule.
Für den Konzern sei das große Einzugsgebiet rund um die Durchgangsstraße entscheidend gewesen, erklärte McDonald's-Sprecher Alexander Schramm. Er kann die Proteste nicht verstehen: Von Anfang an habe man den Kontakt zu Anwohnern und Geschäftsleuten gesucht, außerdem schaffe man hier 50 Arbeitsplätze. Die linksalternativen Anwohner interessiert das nicht. "Es geht um diese Kultur, die hier hingetragen wird, die alles gleich macht", erklärt der Sprecher der Initiative "McWiderstand", Philipp Raschdorf.
Steine und Farbbeutel auf die Baustelle
Die Anti-Burger-Bewegung rief zu Demonstrationen und Diskussionsveranstaltungen auf, in den vergangenen Wochen flogen jedoch auch Steine und Farbbeutel auf die Baustelle. Schramm verbucht das unter "allgemeiner Vandalismus". "Insgesamt ist der Bau sehr, sehr ruhig abgelaufen", sagt er. Trotzdem hat der Konzern einen privaten Sicherheitsdienst engagiert. Die Filiale soll auch künftig rund um die Uhr bewacht werden.
In der Berufsschule auf der anderen Straßenseite ist gerade große Pause. Dutzende Schüler stehen vor der Schule auf dem Bürgersteig. "Wir freuen uns hier alle", sagt Daniel Seidler. Den Unmut der Protestler kann er nicht verstehen. "McDonald's gibt es doch auch in jedem anderen Bezirk", meint der 18-Jährige. "Die werden einen extremen Umsatz machen", ist seine Mitschülerin Melanie Schäfer überzeugt. Das Essen in der schuleigenen Kantine sei nicht besonders lecker und auch nicht gerade günstig.
Auch der stellvertretende Schulleiter der Fach- und Berufsschule befürchtet, dass die McDonald's-Filiale für den Pächter der schuleigenen Mensa Konsequenzen haben werde. "Pommes rot-weiß macht der auch", sagt Roger Kutschki. Eine Protestbewegung habe es in der Schule aber nicht gegeben. Auf ein Gesprächsangebot von McDonald's sei man gerne eingegangen. "Es bringt ja nichts, auf Konfrontation zu gehen", sagt Kutschki. Letztlich müsse jeder der 6.500 Fach- und Berufsschüler selber wissen, was er isst. "Wir können einem Volljährigen ja nicht vorschreiben, wie er sich zu ernähren hat."
Unspektakuläre Eröffnung
Auf der anderen Straßenseite geht gerade die reichlich unspektakuläre Eröffnung über die Bühne. Auf dem Rasen liegen lediglich ein paar bunte Luftballons. Um kurz nach 10 Uhr geht dann einfach die Tür auf. Ein paar Demonstranten rufen "Kein McDonald's in Kreuzberg". Bis auf die Kameraleute interessiert sich niemand dafür.
"Wenn wir heute eine große Aktion gemacht hätten, hätten wir doch nur für noch mehr Aufmerksamkeit für McDonald's gesorgt", sagt Philipp Raschdorf. Die Proteste seien jedoch längst noch nicht vorbei. Schon am kommenden Sonntag sei ein Aktionstag geplant. Ströbele kündigte an, sich den weiteren Protesten anschließen zu wollen. "An dieser Stelle halte ich das weiterhin für falsch", bekräftigte er im Gespräch mit AP.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







