Nach Amoklauf von Winnenden: Merkel für unangemeldete Kontrollen bei Waffenbesitzern
zuletzt aktualisiert: 15.03.2009 - 12:04Köln (RPO). Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts des Amoklaufs von Winnenden mehr Aufmerksamkeit bei Eltern und Erziehern angemahnt. Zugleich verwies sie auf Überlegungen, mit unangemeldeten Waffenkontrollen und einem erschwerten Zugang zu Gewaltdarstellungen im Internet das Risiko künftiger Amokläufe zu senken.
"Es ist ein Stück Erlebnis, wo einem die Worte auch fehlen und wo es sehr, sehr schwer ist, sofort mit einem Maßnahmenkatalog zu antworten", sagte Merkel dem Deutschlandfunk, fügte jedoch hinzu: "Wir müssen aufmerksam sein, das ist die Lehre, auf alle jungen Menschen - das gilt für Eltern, das gilt für Erzieher. Wir müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen, dass ihnen auch sicherlich nicht zu viel Gewalt zugemutet wird in den verschiedenen Stellen."
Die Waffe, mit der Tim K. 15 Menschen und anschließend sich selbst am Mittwoch in den baden-württembergischen Orten Winnenden und Wendlingen tötete, hatte der Amokläufer aus seinem Elternhaus. Für den 17-Jährigen war es sehr einfach, an die Waffe zu gelangen. Sie lag unverschlossen im Schlagzimmer seiner Eltern. Dieser Umstand löst Kritik aus. Auch Bundeskanzlerin Merkel hat sich dazu geäußert.
Bei der Aufbewahrung von Waffen und Munition müsse sehr stark auf Kontrollen geachtet werden, möglicherweise auch unangemeldet. Außerdem verwies die Kanzlerin auf die Diskussion, den Zugang zu Gewaltdarstellungen weiter zu erschweren. Einfach nur mit der Freiheit des Internets zu argumentieren, werde letztlich nicht weiterhelfen. Ganz verhindern werde man Amokläufe wahrscheinlich aber nie können. "Aber wachsam sein ist mit Sicherheit hier eine Lehre aus dem schrecklichen Ereignis", sagte die Kanzlerin.
Mehrheit der Bürger wünscht sich besseren Schutz vor Waffen
Nach Winnenden fordert eine breite Mehrheit der Bundesbürger ein Waffenverbot in Privathaushalten. 78 Prozent der am Tag nach dem Massaker vom Meinungsforschungsinstitut Emnid befragten Deutschen sprachen sich dafür aus, wie die "Bild am Sonntag" berichtete.
Große Vorbehalte haben mehr als zwei Drittel gegen Gewaltspiele und Horrorfilme. 72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass deren Konsum Jugendliche gewaltbereiter macht als früher. Nur bei den Befragten, die jünger als 30 Jahre sind, glaubt weniger als die Hälfte (49 Prozent) an diesen Zusammenhang.
Vorschläge aus Politik und Wirtschaft
Unterdessen geht die Diskussion über Konsequenzen aus dem Amoklauf weiter. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, spricht sich für ein zentrales Waffenregister und eine Begrenzung der Anzahl von Waffen aus, die eine Person besitzen dürfe. In NRW sind fast 1,2 Millionen Waffen registriert (Stand 2007) – knapp die Hälfte davon sind nach Angaben des NRW-Innenministeriums Jägern und Sportschützen zuzuordnen.
Auch der Präsident des Verbandes deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler, Jürgen Triebel, äußerte sich kritisch. Waffen müssten besser gesichert und aufbewahrt werden.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, eine Verschärfung des Waffenrechts hätte die Bluttat in Baden-Württemberg nicht verhindert. Er äußerte sich auch skeptisch gegenüber Forderungen, die Schützenvereine zu einer verstärkten Kontrolle von Waffenbesitzern zu verpflichten.
Demgegenüber hält die SPD eine Verschärfung des Waffenrechts für möglich. Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte in Gelsenkirchen, die Diskussion darüber beginne jetzt: "Wir werden das in größtmöglicher Verantwortung in den nächsten Tagen tun." Einzelheiten nannte er zwar nicht, fügte aber hinzu, dass es mit gesetzlichen Verschärfungen allein nicht getan sei. Entscheidend sei, welches Vorbild die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg gäben und und wie Erwachsene reagierten, wenn sich Jugendliche abkapseln.
Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Fritz Kuhn, fordert nach dem Amoklauf in Baden-Württemberg eine strenger Kontrolle der Bestimmungen des Waffenrechts. Es gehe nicht an, dass "ein Waffennarr" seine Waffen dekorativ an der Wand aufhänger, sagte Kuhn der "Rhein-Neckar-Zeitung". Solche Waffen sollten zentral im Schützenvereinsheim deponiert und verschlossen werden.
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