Rewe und Edeka betroffen: Millionen Eier fälschlich als "Bio" und "Freiland" verkauft
zuletzt aktualisiert: 26.11.2008 - 18:28Berlin (RPO). Die Tierschutzorganisation Peta erhebt schwere Vorwürfe gegen einen deutschen Eierproduzenten. Ein Großproduzent aus Brandenburg soll in großem Stil Eier aus nicht artgerechter Haltung als Bio- oder Freiland-Eier verkauft haben. Rund 300 Millionen Eier sollen mit falscher Kennzeichnung unter anderem von Rewe und Edeka vertrieben worden sein.
Der Eierproduzent hat den Vorwurf einer angeblichen Falschetikettierung von Eiern zurückgewiesen. "Alle Eier, die unseren Betrieb verlassen, sind ausnahmslos einwandfrei und zutreffend gemäß den geltenden Haltungs- und Etikettierungsvorschriften etikettiert und gestempelt", erklärte Geschäftsführer Heinz Pilz am Mittwoch im brandenburgischen Bestensee. Peta hatte der Firma vorgeworfen, Eier von Hühnern aus nicht artgerechter Haltung als Bio- oder Freilandeier zu verkaufen.
Edmund Haferbeck von Peta Deutschland sagte, es handele sich um schätzungsweise 300 Millionen Eier jährlich, die bundesweit in verschiedenen Supermarktketten unter falscher Kennzeichnung verkauft würden. Die Tierschützer schätzen, dass die Produzenten wegen des höheren Preises von Bio-Eiern etwa zehn Millionen Euro zusätzlichen Gewinn einstreichen. Deshalb habe man Strafanzeige wegen Betrugsverdachts und Tierquälerei bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gestellt.
Rewe, Edeka, Penny und coop waren Abnehmer
Abnehmer der falschen Bio-Eier waren Peta zufolge Supermärkte von Rewe, Edeka, Penny und coop in ganz Deutschland. Die falschen Freiland-Eier hätten Märkte von Edeka und Kaiser's Tengelmann in Berlin abgenommen, wobei die Produkte teilweise unter Eigenmarken angeboten worden seien. Außerdem seien gefälschte "Bio"-Eier an den Babynahrungs-Hersteller Hipp gegangen.
Alle Bio-Eier habe der mehrfach ausgezeichnete Biohof Deersheim in Sachsen-Anhalt als Zwischenhändler vertrieben. Rewe und Edeka erklärten, die Vorwürfe zu untersuchen. Edeka habe bereits am Dienstag "ein unabhängiges Prüfinstitut beauftragt, die Betriebe zu kontrollieren", sagte ein Sprecher in Hamburg.
Das mit einer Jahresproduktion von einer Milliarde Eiern zu den größten deutschen Eierproduzenten gehörende Unternehmen wies die Vorwürfe im Punkt Freilandhaltung als haltlos zurück. Wegen eines Vogelgrippefalles in Sachsen habe der Landkreis Dahme-Spreewald, zu dem Bestensee gehört, im Oktober 2008 eine Stallpflicht auch für Freilandhühner verhängt, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens, das in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt drei Millionen Legehennen hält.
Firma verweist auf Stallpflicht wegen Vogelgrippe
Seither befänden sich die Legehennen in Ställen, sagte Geschäftsführer Pilz. Zum Vorwurf der Bio-Etikettierung konventionell erzeugter Eier äußerte sich die Firma nicht. Peta verwies darauf, dass es die zum Beleg einer Umetikettierung gezeigten Videos bereits im Sommer 2008 heimlich in einigen Hallen der Hühnerfarm aufgenommen habe.
Auf den Filmen waren hinter Gittern dicht gedrängte Legehennen zu sehen. In einem Nebenraum zeigen die Bilder eine Stempelmaschine, mit der der gesetzlich vorgeschriebene Herkunftscode auf die Eier gedruckt wird.
Die Entschlüsselung des Stempels über die Seite was-steht-auf-dem-ei.de ergab als Art der Haltung Bio und als Herkunftsbetrieb den Biohof Deersheim in Sachsen-Anhalt. Die Firma wies die Peta-Anschuldigungen zurück. "Der Vorwurf, wir hätten mit Bio-Stempel geprintete Käfigware der Firma Landkost weiterverkauft ist haltlos und falsch", hieß es in einer Erklärung.
"Auf den Eiern steht etwas drauf, was nicht drin ist", sagte dagegen Peta-Experte Haferbeck. Der Fall zeige, dass die Kontrollen der Tierhaltung nicht funktionierten. Als Konsequenz forderte er eine Umkehr der Beweislast. "Die Firmen müssen nachweisen, dass sie sich an die ohnehin laxen gesetzlichen Bestimmungen halten", verlangte er.
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