Zwischenbilanz des Erzbistums Paderborn: Missbrauchsvorwürfe gegen 30 Priester
zuletzt aktualisiert: 29.06.2010 - 12:21Paderborn (RPO). In den vergangenen fünf Monaten sind im Erzbistum Paderborn Missbrauchsvorwürfe gegen 30 Priester bekannt geworden. 40 Opfer sind benannt worden oder haben sich gemeldet, wie aus der am Dienstag in Paderborn vorgelegten Zwischenbilanz hervorgeht.
Demnach beziehen sich mehr als 60 Prozent der Hinweise auf den Zeitraum zwischen 1960 und 1980, weitere knapp 15 Prozent auf die Jahre zuvor bis 1940.
Nach Angaben von Generalvikar Alfons Hardt sind zwölf der beschuldigten Priester verstorben, drei waren nicht zu ermitteln. Weitere drei seien Ordenspriester; die sie belastenden Hinweise habe die Erzdiözese an die zuständigen Orden weitergeleitet. Sieben Priester befänden sich im Ruhestand.
Aktuell sei ein Geistlicher von der Ausübung seines Dienstes suspendiert. In zwei von fünf Fällen, in denen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden sei, dauerten die Ermittlungen noch an.
In allen Fällen habe das Erzbistum versucht, mit den Opfern Kontakt aufzunehmen, hieß es. Zwölf Opfer hätten Hilfe abgelehnt oder die Verdachtsfälle als erledigt angesehen. In elf Fällen seien Beratungsstellen oder therapeutische Hilfen vermittelt worden.
Darüber hinaus habe es abseits der Vorwürfe über sexuellen Missbrauch durch Geistliche 22 Hinweise auf Gewaltausübung gegenüber Minderjährigen gegeben, so das Erzbistum. Betroffen seien vier Priester, von denen zwei gestorben seien, drei Ordensbrüder und drei Ordensschwestern. Sieben Hinweise richteten sich gegen sonstige Mitarbeiter im kirchlichen Dienst.
Erzbischof Hans-Josef Becker sprach von einer tiefen Vertrauenskrise. Das Fehlverhalten Geistlicher und anderer Beschäftigter habe die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Botschaft beschädigt. Er werde sich weiterhin für einen offenen und transparenten Umgang mit den Vorfällen einsetzen.
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