Was die Gewerkschaften bewirkt haben: Mit Bahnstreiks zum Tariferfolg
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 26.10.2010 - 11:53Düsseldorf/München (RPO). Ausfallende Züge, Notfallpläne, verstopfte Straßen - wieder einmal gibt es Streiks bei der Deutschen Bahn. Was den Kunden verärgert, macht für die Gewerkschaften durchaus Sinn. Denn in den vergangenen Jahren haben sie durch die Streiks einiges durchsetzen können. Der Druck auf die Deutsche Bahn wirkt.
Seit dem großen Streik von 2007 reagieren viele Bahnreisende extrem empfindlich auf Bahnstreiks. Manch einer mag das Gefühl haben, dass sich die Gewerkschaften im Dauerausstand befinden. Tatsächlich kommt es jedes Jahr zu Tarifverhandlungen - und die scheitern im ersten Moment auch meist.
So auch in diesem Jahr. Beteiligt sind die Gewerkschaften GDL (die insbesondere die Lokführer vertritt), Transnet und GDBA. Während erstere fünf Prozent mehr Lohn forderte, wollten die anderen beiden sechs Prozent. Doch das ist diesmal eher kein Problem.
Denn im Kern geht es um Folgendes: Mitarbeiter der Privatbahnen sollen den gleichen Lohn bekommen wie die Angestellten der Deutschen Bahn AG. Branchentarifvertrag lautet das Stichwort. Die Tarifverhandlungen waren Anfang Oktober in der sechsten Runde ergebnislos abgebrochen worden - und so wird wieder einmal gestreikt.
Infos für Betroffene Die Bahn informiert im Netz und bei der kostenlosen Telefon-Hotline 08000/996633 über die Auswirkungen des Streiks. Hier geht es zur Service-Seite der Bahn.
Der große Streik 2007
Dass die Gewerkschaften ihrem Ziel durch die Ausstände sehr nah kommen könnten, ist dabei durchaus realistisch. Denn wie immer bleiben Bahn bzw. diesmal die Privatbahnen zunächst hart. Und so hat der Kunde das größte Nachsehen.
Denn Gewerkschaften und Bahn nähern sich immer irgendwann durch die Streiks aneinander an. Die Arbeitnehmer können einen Teil ihrer Forderungen durchsetzen - die Arbeitgeber aber müssen nicht alles mitmachen.
So war es auch beim großen Streik 2007. Damals ging es ebenfalls um mehr Lohn für die Bahnbeschäftigten. Während sich Transnet und GDBA relativ schnell mit der Bahn auf eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent einigen konnten, scherte die Lokführergewerkschaft aus.
Und so dauerte es ganze zehn Monate, bis die Verhandlungen - durch Vermittlung von Politikern - ein gütliches Ende fanden. Doch gerade im Oktober und November kam es zu massiven Streiks, die auch den Handel beeinflussten. Wochenlang herrschte Ausnahmezustand.
Forderung nach 31 Prozent mehr Lohn
Im Kern ging es darum: Transnet und GDBA hatten sieben Prozent mehr Lohn verlangt, bekamen dann 4,5 Prozent. Die GDL allerdings wollte einen eigenen Tarifvertrag und bis zu 31 Prozent mehr Lohn. Eine Forderung, die auch bei vielen Bürgern für Unmut sorgte.
Im Januar 2008 dann das große Aufatmen. Die Bahn bot der GDL unter anderem elf Prozent mehr Lohn an. Ein sattes Plus also, für dass sich die monatelangen Streiks gelohnt hatten. Damit hatte die GDL auch die Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag gegen alle Widerstände durchsetzen können.
Doch schon im März 2008 drohte das ganze erneut zu eskalieren. Denn es ging um einen Grundlagentarifvertrag, den die GDL unterschreiben sollte. Dadurch sollten sich die Lokführerverträge in das Tarifgefüge des Konzerns einfügen. Dadurch würde die Eigenständigkeit der GDL beschnitten. Nur wenn das unterschrieben werde, könnte die Einigung der zehnmonatigen Verhandlungen in Kraft treten. Das stieß der GDL natürlich bitter auf - und sie drohten erneut mit Streiks.
Die wochenlangen Ausstände aber hatten an den Nerven aller gezehrt. Und so konnte sich die GDL ziemlich schnell durchsetzen. Streiks gab es nicht, und die Forderung nach einer Kooperationsvereinbarung der drei Gewerkschaften wurde zurückgenommen. Sie verpflichteten sich lediglich zur Zusammenarbeit.
Schnelle Einigung 2009
Weniger spektakulär gingen die Tarifverhandlungen im Januar 2009 vonstatten. Damals forderten Transnet und GDBA zehn Prozent mehr Lohn, GDL 6,5 Prozent und die Bahn wollte nur ein Prozent zahlen. Doch die Einigung erfolgte recht schnell.
Bereits Ende Januar wurde eine Erhöhung um 2,5 Prozent ab dem 1. Februar 2009 beschlossen und um zwei Prozent ab Anfang 2010. Aber damals ging es eben nur um "einfache" Lohnerhöhungen. Die Verhandlungen von 2007 allerdings zeigten, wie hartknäckig die Gewerkschaften sein können, wenn es um tiefgreifendere Veränderungen geht.
Und so könnte es auch diesmal wieder zu zähen Verhandlungen kommen. Doch am Ende wird eine Einigung stehen. Wann das ist, ist allerdings fraglich. Für den Kunden bleibt zu hoffen, dass sich die Konfliktparteien schnell einigen können, denn dann hat er nicht erneut allein das große Nachsehen.
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