Streit um Bischof geht weiter: Mixa-Anwalt zweifelt Akte über Verfehlungen an
zuletzt aktualisiert: 21.06.2010 - 16:53München (RPO). Der Fall des zurückgetretenen Augsburger Bischofs Walter Mixa kommt nicht zur Ruhe. Sein Anwalt zweifelte am Montag Berichte über ein ihn schwer belastendes Dossier an. In der Akte, die dem Papst zur Entscheidung über Mixas Rücktritt vorgelegen haben soll, wird dieser Medienberichten zufolge als alkoholkrank dargestellt. Zudem enthalte sie den Vorwurf sexueller Übergriffe auf junge Priester.
Der Augsburger Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold rief Mixa am Montag auf, sich aus der Öffentlichkeit zurück- oder aber aus dem Bistum wegzuziehen.
Mixas Anwalt Gerhard Decker sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Wir hatten schon mal die Erfahrung gemacht, mit diesem Missbrauchsverdacht, der dann eingestellt worden ist, dass hier völlig nebulöse Quellen zitiert werden, die sich dann hinterher als Luftblase herausgestellt haben. Als Missverständnis. Keiner wollte so etwas gesagt haben." Er und sein Mandant wollten jetzt einmal konkret wissen, "wer behauptet was, über welches Ereignis, das sich wann ereignet hat." Dann werde man konkret Stellung nehmen.
Der österreichischen Internetseite kath.net erklärte Decker, er halte es für unwahrscheinlich, dass Teile der Presse Zugang zum Archiv des Vatikans oder des päpstlichen Nuntius hätten. Der Vatikan wollte sich am Montag auf Anfrage nicht näher zu den Gründen für die Annahme von Mixas Rücktrittsgesuch äußern.
"Wir brauchen im Bistum wieder Ruhe"
Der Augsburger Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold sagte: "Wir brauchen im Bistum wieder Ruhe." Dies könne auf zwei Weisen geschehen: Indem sich Mixa extrem still verhalte, möglicherweise auch in ein Kloster zurückziehe. Oder indem er das Bistum wirklich auch körperlich verlasse.
Im Bistum gebe es eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Anhängern Mixas, sagte Mangold. Diese glaubten, er sei nur das Opfer einer Medienkampagne und wollten ihn im Extremfall wieder im Amt zurück haben. Gerade die Front der Mixa-Anhänger sei besonders heftig, da sie glaubten, die ganze Kirche verteidigen zu müssen. Sie sähen sich auf einem Kreuzzug.
Mixa ist seit gut einer Woche zurück in Augsburg. Sein Wiedereinzug in Bischofspalais sorgt dort noch immer für Wirbel. Er soll dort früheren Aussagen des Bistums zufolge nur für beschränkte Zeit bleiben. Bis wann er ausziehen werde, wollte eine Sprecherin am Montag nicht sagen. Das Bistum äußert sich derzeit nicht mehr zur Causa Mixa.
Alltag eines Alkoholkranken beschrieben
Den Medienberichten zufolge sollen engste Mitarbeiter Mixas Alltag als den eines schwer alkoholkranken Mannes mit geschildert haben. Seine Arbeits- und Wahrnehmungsfähigkeit sei massiv beeinträchtigt. Gute Ratschläge Wohlmeinender seien jahrelang an ihm abgeprallt. Zudem hätten zwei Priester aus den Bistümern Augsburg und Eichstätt unabhängig voneinander von sexuellen Übergriffen Mitte der 1990er Jahre berichtet, als sie sich in einem Zustand emotionaler Abhängigkeit befunden hätten.
Mixa sieht sich selbst als Opfer einer Intrige und erwägt, am päpstlichen Gerichtshof in Rom ein Verfahren anzustrengen. Als Reaktion auf seine Vorwürfe hat die bayerische Bischofskonferenz jüngst erklärt, man sehe nicht zuletzt zum Schutz Mixas "davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten. Wir wünschen ihm gute Genesung. Sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein erster Schritt".
Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, warnte am Montag, die "öffentlichen eskalierenden Auseinandersetzungen" drohten die Betroffenen und die Kirche insgesamt nachhaltig zu beschädigen. Alle Beteiligten sollten "innehalten, reflektieren und so zur Lösung der Probleme beitragen." Die Kirche sei nicht dazu da, sich "zum Teil niveaulos zu streiten wie etwa bisweilen politische Parteien".
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