Ecclesia-Messe: Modisches für den Priester
zuletzt aktualisiert: 09.02.2006 - 14:49Köln (rpo). Katholische Priester stehen am liebsten in leichter Seide hinter dem Altar. Schlicht, aber elegant. Nach hohen kirchlichen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten sollte das pastorale Gewand grün sein. Auf der Kölner Kirchenfachmesse werden liturgische Kleidung, Kerzen, aber auch Software fürs Pfarramt präsentiert.
Modische Trends machen auch vor Gotteshäusern nicht halt. "Katholische Priester bevorzugen derzeit schlichte Messgewänder aus leichter Seide", sagt Elke Temme-Bunse vom Paderborner Meisterbetrieb Wameling. Am Altar gehe der Trend klar zur Schlichtheit und Eleganz, betont die Chefin des Traditionsunternehmens am Donnerstag auf der Kölner Kirchenfachmesse "ecclesia".
Angesichts leerer Kirchenkassen sind die Zeiten für Anbieter liturgischer Gewänder schwieriger geworden. Die evangelische Kirche verzichtet zumindest in Deutschland ohnehin weitgehend auf besondere Messgewänder. Deshalb müssen sich die Anbieter sakraler Textilkunst, der so genannten Paramentik, auf die katholische Kirche als Hauptabnehmer konzentrieren.
Hier gibt das Kirchenjahr die erlaubten Grundfarben vor: Gottesdienstgewänder zur Advents- und Fastenzeit müssen violett sein, weiß als Symbol des Lichts ist unter anderem zu Ostern und Weihnachten vorgeschrieben. Grün kommt an den Sonntagen nach Ostern und am Tag der Heiligen Drei Könige zum Einsatz.
Innerhalb dieses Spektrums ist anscheinend alles gestattet: Auf der "ecclesia" reicht die Bandbreite von eher konservativen Gewändern, die in ihrer Machart mitunter an bestickte Wohnzimmervorhänge erinnern, bis zu leichten Umhängen in geradezu psychedelischer Farbenpracht. Mitunter haben sich bei der Gestaltung Künstler der christlichen Bilderwelt angenommen. Ihnen gegenüber steht die klassische Paramentenstickerei, die die Gewänder mit Symbolen wie dem Kreuz, Messkelch, Ähren oder Weintrauben verziert.
Sonderanfertigungen für Messgewänder
In der Regel haben die Messgewänder eine Einheitsgröße, Sonderanfertigungen für besonders groß oder klein gewachsene Priester seien aber jederzeit möglich, versichert Temme-Bunse. Ein anderer Anbieter, der nicht namentlich genannt werden will, deutet an, dass "unsere Kundschaft in Einzelfällen zu einer gewissen Korpulenz neigt".
Besonders fließende, leichte Seidengewänder könnten am Altar durchaus figurschmeichelnd wirken. "Natürlich können auch Priester eitel sein. Warum denn auch nicht", betont er. Wichtig sei nur, dass das Gewand nicht zu lang ist, damit der Pfarrer am Altar nicht ins Stolpern gerät.
Unter dem Messkleid tragen Priester und Diakone eine so genannte Albe, ein weißes Gewand, das aus der römischen Tunika hervorgegangen ist. Allein eine Albe kann 300 Euro kosten, die Preise von Messgewändern aus Seide fangen bei 1000 Euro an und hören bei 5000 Euro nicht auf - besonders, wenn es sich um künstlerisch gestaltete Einzelstücke handelt.
Manchmal bekommen Priester ein persönliches Gewand
Meist wird die Gottesdienstbekleidung von den Pfarreien angeschafft. Früher wurden die Gewänder oft noch mit der Architektur und textilen Gestaltung der Kirche abgestimmt. Heute hätten die Pfarreien "nur noch wenig Geld", weiß Temme-Bunse. "Da kann es schon mal passieren, dass auch 50 Jahre alte Gewänder immer noch eingesetzt werden."
Nur in seltenen Fällen erhalten Priester ein persönliches Messgewand geschenkt, wie zum Priesterjubiläum oder zur Primiz, der ersten Messe eines neu geweihten Priesters in seiner Heimatgemeinde. So ist es kein Wunder, dass die Reinigung und Pflege der Gewänder zu einem bedeutenden Geschäftszweig geworden sind. Denn die Stoffe haben einiges einzustecken, Wachsflecken der zahlreichen Kerzen, aber auch Schweiß hinterlassen ihre Spuren.
Die "ecclesia" dauert noch bis Samstag. 180 Aussteller aus neun Ländern präsentieren liturgische Kleidung und Geräte, Kerzen und Devotionalien, aber auch Alarmanlagen für Gotteshäuser und Software für das Pfarramt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







