Karneval: Möhnen übernehmen das Kommando im Rheinland
zuletzt aktualisiert: 23.02.2006 - 13:12Düsseldorf (rpo). In den rheinischen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf hat pünktlich um 11.11 Uhr die Weiberfastnacht begonnen. Mehrere tausend kostümierte Närrinnen stürmten zum Auftakt des Straßenkarnevals in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt das historische Rathaus in der Altstadt.
Mit karnevalistischem "Helau", reichlich Altbier und ein paar Schneeflocken als weißem Konfetti begrüßten die Jecken die Hochzeit der tollen Tage, die noch bis Aschermittwoch unter dem Motto "Nit quake - make" stehen, was ins Hochdeutsche übersetzt soviel bedeutet wie "Nicht lamentieren - machen".
In Köln waren auf dem Alten Markt und dem Heumarkt gut 10.000 Jecke dabei, als das närrische Dreigestirn Prinz, Bauer und Jungfrau um 11.11 Uhr mit "Kölle-Alaaf" den Höhepunkt der fünften Jahreszeit einläutete. In der Domstadt, die Austragungsort von Spielen der Fußball-WM ist, stehen die tollen Tage unter dem Motto "Fastelovendsfoßballspill".
Große Gruppen teils grell geschminkter, teils damenhaft ausstaffierter "Möhne" (Alte Weiber) zogen überall im Rheinland singend und Scheren schwingend durch die Straßen auf der Jagd nach Schlipsen. Die Krawattenträger hatten schlechte Karten. Sie mussten sich entweder küssen lassen oder aber die untere Hälfte ihrer Schlipse opfern.
Rheinaufwärts in Bonn-Beuel sorgten die Wäscherinnen für den Auftakt der tollen Tage. Das Motto hier lautet "Soll Fasteloovend wie em Märche sen, komm zo de Beueler Wiever hin"! Wäscherprinzessin Melanie II. und Obermöhn Evi Zwiebler erstürmten mit reichlich Kölsch und zahlreichen Damenkomitees das Beueler Rathaus, dessen Hausherren sich, von der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann unterstützt, nach kurzem Widerstand dem närrischen Aufstand anschlossen. "Herrschaft ist ja sprachlich doch eher den Männern vorbehalten, aber umso was scheren sich die Frauen am Weiberfastnacht nicht", rief eine siegreiche Wäscherin, die mit grellrot geschminkten Lippen "Bützcher" (Küsse) gleich dutzendweise verteilte.
Rosenmontagszüge sind der Höhepunkt
Bis Aschermittwoch, an dem bekanntlich "alles vorbei" ist, haben die Jecken in unzähligen Städten und Gemeinden im Rheinland das Sagen in der Stadt und auf den Straßen. Bei der großen Sitzung im Freien mit zahlreichen Stars des Kölschen Fastelovends und dem Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma floss Kölsch in Strömen durch die Kehlen unzähliger Clowns, Indianer, Burgfräuleins und sonstiger Jecken.
In der Düsseldorfer Altstadt sollte es am Donnerstag bis weit nach Mitternacht in allen Kneipen eine riesige Karnevals-Party geben. Die Lufthansa warnte ihre Passagiere bei Anflügen auf Köln und Düsseldorf eindringlich vor möglichen "Sicherheitsproblemen": "Achtung, Sie werden geküsst", schallte es aus den Lautsprechern. Ein anderer Hinweis in Deutsch und Englisch für unkundige Reisende hieß: "Mit Scheren bewaffnete Frauen haben es auf Ihre Krawatten abgesehen."
Höhepunkte des jecken Treibens sind in Köln und Düsseldorf sowie in vielen anderen Städten im Rheinland die farbenprächtigen Rosenmontagszüge mit Dutzenden von Musikkapellen, kostümierten Fußgruppen mit zahlreichen Motto- und Motivwagen, die auch schon mal die Politik auf die Schippe nehmen. Alleine in der Domstadt werden rund 1,5 Millionen Besucher zu dem Ereignis erwartet. In Düsseldorf rechnen die Karnevalsgesellschaften ebenfalls mit weit über einer Million Menschen, die den Zugweg säumen und auf geworfene Bonbons und Sträußchen hoffen.
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