Mord an Taxifahrerin: Mörder während Beerdigung verhaftet
zuletzt aktualisiert: 29.10.2004 - 17:47Osnabrück (rpo). Der Fall der ermordeten Taxifahrerin aus Quakenbrück ist aufgeklärt: Bei der Beerdigung des Opfer am Donnerstagnachmittag fiel Polizisten deren 20-jähriger Sohn auf. Er wurde noch während der Trauerfeier verhaftet. Mittlerweile hat er das Verbrechen gestanden, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte.
Die Aufklärung des Mordes an der 39-jährigen Taxifahrerin aus Quakenbrück wirkt wie Szenen aus einem Fernsehkrimi: Als Täter hat sich der 20-jährige Sohn des Opfers erwiesen, und er wurde unter den Augen der Trauergäste am Donnerstagnachmittag nach der Beerdigung festgenommen.
Rund 40 Menschen hatten sich zum Gedenken an die 39-jährige Martina T. zur Kaffeetafel in der "Marktkulisse" versammelt. Mitten unter ihnen derjenige, dessen Phantombild an der Eingangstür hing. Es zeigt einen bullig wirkenden jungen Mann, der eigentlich als Fahrgast der Taxifahrerin gesucht wurde und sich als Täter herausstellte. Es war dieses Bild, das dem 20-jährigen Alexander N. zum Verhängnis wurde, denn es war außerordentlich ähnlich geraten.
Am Mittwochabend vor einer Woche war Martina T. erstochen in einem Weiher am Ortsrand gefunden worden. Dass nur acht Tage später der Mörder festgenommen wurde, ist offensichtlich dem guten Gedächtnis eines jungen Paares zu verdanken. Die beiden hatten kurz nach 23.00 Uhr am Tattag den letzten Fahrgast in das blaue Taxi einsteigen sehen. Nach ihren Angaben war das Bild angefertigt worden.
Polizisten fiel die verblüffende Ähnlichkeit bei Beerdigung auf
Bei der Beerdigung nahmen die Kripobeamten die Trauergäste ins Visier. Ihnen fiel die verblüffende Ähnlichkeit des Sohnes der Verstorbenen mit dem Phantombild auf. Bis dahin hatte er nicht ernstlich zum Kreis der Tatverdächtigen gehört. Seltsamerweise hatte sich der 20-Jährige nach dem Verbrechen die Haare abrasiert und war damit dem Bild ähnlich geworden.
Die Festnahme sprach sich in Windeseile in dem Städtchen herum. Gerüchte um den Sohn des Mordopfers hatte es schon gegeben. Auch ihr sei gleich die Ähnlichkeit aufgefallen, sagte Monika Ponsdorfer am Freitag. Sie hatte gemeinsam mit ihrer Tochter, der Wirtin der "Marktkulisse", die Trauergäste bedient. "Aber ich dachte dann, es kann ja nicht sein, es ist ja der Sohn." Der junge Mann habe sich auch nicht auffällig benommen. Er habe weinend am Tisch gesessen. "Eine Tragödie", sagte Monika Ponsdorfer.
Alle seien entsetzt, beobachtete auch ein Obst- und Gemüsehändler, der am Freitagmorgen auf dem Wochenmarkt war. "Es war das Gesprächsthema Nummer eins", sagte er. Die Leute hätten aber auch noch Zweifel gehabt. Nicht überraschend, denn schließlich sei immer geredet worden, es sei jemand von außerhalb gewesen, kommentierte ein Tankstellen-Mitarbeiter.
Sohn ließ sofort die Maske fallen
Der 20-Jährige ließ schon beim ersten Gespräch mit der Polizei die Maske fallen und gestand, dass er seine Mutter getötet und den zufällig am Tatort aufgetauchten 13-jährigen Radfahrer niedergestochen habe. Motiv war nach seinen Angaben ein Streit um die Kasse eines Dartvereins. Als Kassierer soll der 20-Jährige fast 750 Euro unterschlagen haben. Der Klub "Die Luschen" gehört zu einem von Hannelore Lömker - Schwiegermutter der Taxifahrerin - betriebenen Lokal. Sie sagte, sie habe das Geld von ihm zurück verlangt und ihn im Frühjahr angezeigt.
Vor dem Prozess wollte der Angeklagte seine Mutter zu einer Aussage zu seinen Gunsten bewegen. Dazu sei sie erst bereit gewesen, erklärte er der Polizei. Davon habe sie später jedoch Abstand genommen. In der Nacht zu Donnerstag, 21. Oktober, wollte er sie umstimmen. Er nahm sich laut Polizei vor, sie andernfalls umzubringen. Wie die Ermittler weiter berichteten, stach er bei der nächtlichen Auseinandersetzung am See dann so lange auf seine Mutter ein, bis sie zusammenbrach.
In einer Gaststätte in Quakenbrück sprachen die Leute am Freitag darüber, dass eine Familientragödie zwar "krasser" als ein Raubmord sei. Andererseits aber müsse nicht wie in der Großstadt Angst haben und "nicht überlegen, was laufen da für Menschen 'rum". Quakenbrück ist eine beschauliche Kleinstadt einem hübschen Altstadtkern mit vielen Fachwerkbauten, einer sauber gepflasterten Fußgängerzone. In den vergangenen zehn Jahren hat laut Polizei-Annalen nur eine Bluttat die Gemeinde erschüttert.
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