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Durch DNA-Test: Mord an Siebenjähriger nach zehn Jahren aufgeklärt

zuletzt aktualisiert: 26.08.2005 - 15:37

Magdeburg (rpo). Rund zehn Jahre nach dem Mord an der siebenjährigen Maria Juhl aus Sachsen-Anhalt ist die Tat nun aufgeklärt. Ein 48-Jähriger hat das Verbrechen "in allen Einzelheiten" gestanden, wie der leitende Oberstaatsanwalt am Freitag in Magdeburg mitteilte. Gegen den Mann werde wegen Verdeckungsmordes, schwerer Freiheitsberaubung und sexueller Misshandlung eines Kindes mit Todesfolge ermittelt.

Ein Phantombild des Täters.  Foto: ddp, ddp
Ein Phantombild des Täters. Foto: ddp, ddp

Laut Bundeszentralregister hat der Mann keine Vorstrafen. Er selbst habe jedoch angegeben, als Jugendlicher in der DDR wegen eines ähnlichen Deliktes eine Freiheitsstrafe verbüßt zu haben. Auch damals soll es sich um sexuellen Missbrauch eines Kindes gehandelt haben.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Mann per Speichelprobe. 2003 waren alle rund 2.500 zwischen 1950 und 1960 geborenen Männer der Orte rund um Haldensleben, wo das siebenjährige Mädchen verschwunden und getötet worden war, zu einem Massenscreening aufgerufen worden. Bei Vergleichen mit zwei Haaren, die auf der Kleidung des ermordeten Mädchens gefunden worden waren, stießen die Rechtsmediziner der Uniklinik Magdeburg nach umfangreichen Tests in dieser Woche auf den nun gefassten Mann.

Die damals siebenjährige Maria. Foto: ddp, ddp

Maria Juhl war am 3. November 1995 in Haldensleben auf dem Weg zur Schule entführt und anschließend vergewaltigt und getötet worden. 13 Tage lang hatten eine Sonderuntersuchungskommission mit 25 Beamten sowie Hundertschaften der Polizei, Taucher und Spezialhunde in einer groß angelegten Suchaktion nach dem Mädchen gefahndet, bis die Leiche des Kindes gefunden wurde. Trotz mehr als 100 Hinweisen aus der Bevölkerung und einem detaillierten Täterpsychogramm war die Fahndung nach dem Täter jahrelang erfolglos geblieben.

Oberstaatsanwalt Jaspers lobte die unermüdliche Arbeit der Ermittler der zuständigen Polizeidirektion Stendal, die in den vergangenen zehn Jahren nie locker gelassen und immer wieder nach neuen Lösungsansätzen in dem Fall gesucht hätten, bis sie schließlich auf eine neue Methode zur molekulargenetischen Typisierung von DNA-Material gestoßen seien, die nun letztendlich zum Erfolg geführt habe.

Der Tatverdächtige, der damals in Velsdorf nahe Haldensleben gewohnt habe, sei am Donnerstagnachmittag in seiner Wohnung in Magdeburg festgenommen worden, wo er mit seiner Lebensgefährtin und drei gemeinsamen Kindern gelebt habe. Der Arbeitslose habe die Tat sofort gestanden und sich selbst als geistig behindert bezeichnet. Er habe eigenen Angaben zufolge bis zu 14 Jahre in Nervenheilanstalten zugebracht.

Spontaner Entschluss zum Missbrauch

Bei der Tat sei von einem "klassischen Sexualmord" auszugehen, hieß es. Der Mann habe nach eigenen Aussagen die kleine Maria zufällig getroffen, "und sich spontan entschlossen, sie sexuell zu missbrauchen". Tatort war ein Hochsitz im Wald. Die Leiche des Kindes mit schwersten Verletzungen im Genitalbereich fanden die Ermittler später in einer Tonkuhle, verstaut in einem Müllsack. "Maria Juhl war verblutet", erinnerte Jaspers.

Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten schilderte den mutmaßlichen Täter nach den ersten Verhören als "einfach strukturierten, gefühlsarmen Menschen" ohne erlernten Beruf. Der Mann habe angegeben, in den letzten zehn Jahren, stets mit seiner Festnahme gerechnet zu haben, ergänzte Ermittler Reimar Klockziem von der Polizeidirektion Stendal.

Die Staatsanwaltschaft hat jetzt eine zweite Speichelprobe beantragt, wie Baumgarten mitteilte. Ein Suchdurchlauf in der Datenbank des Bundeskriminalamtes solle Aufschluss darüber geben, ob der Mann für weitere Taten verantwortlich ist.

Erleichterung zeigte die Mutter des toten Mädchens vor laufenden Kameras. Sie habe die Hoffnung, dass der Täter gefunden werde, nie aufgegeben. Als dann die befreiende Nachricht gekommen sei, sei das "wie Weihnachten" gewesen.

Quelle: ap

 
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