Drei Tote nach Schießerei: Mordprozess um Rüsselsheimer Blutbad beginnt
zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 - 11:55Darmstadt/Rüsselsheim (RPO). Auslöser für die blutige Tat am 12. August 2008 in einer Eisdiele in Rüsselsheim war ein Streit zwischen zwei türkischen Familien: Die Männer gingen mit Messern aufeinander los, es fielen mehrere Schüsse. Bei dem Blutbad wurden drei Menschen getötet, darunter eine unbeteiligte Frau. Die Brüder Serdal E. (22) und Erdal E. (32) sowie der 29 Jahre alte Taylan K. müssen sich wegen Mordes verantworten.
Am Dienstag beginnt vor dem Darmstädter Landgericht der Prozess gegen die drei Tatverdächtigen. Bei weiteren festgenommenen Personen habe sich der Tatverdacht nicht bestätigt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Frage nach dem konkreten Motiv für die Schießerei sei in der Hauptverhandlung zu klären. Es habe bereits vor der Tat wiederholt "verbale und tätliche Auseinandersetzungen" zwischen den beiden türkischen Familien gegeben. Sie hätten sich aus der "Türsteher-Szene" der Diskotheken im Rhein-Main-Gebiet gekannt.
Aussprache eskalierte
Laut Anklage verabredeten sich die Männer am Tatabend zu einer Aussprache in der Eisdiele. Zu dem Treffen kam Taylan K. gemeinsam mit seinem Cousin und einer weiteren Person. Auf der anderen Seite erschienen die beiden Angeklagten Erdal E. und Serdal E. mit ihrem Bruder Deniz. Zwei weitere Männer warteten vor der Eisdiele. "Alle rechneten damit, dass das Treffen einen gewalttätigen Verlauf nehmen könnte", hat die Staatsanwaltschaft festgestellt. Die Teilnehmer seien mit zwei Messern, einem Schlagring, einem Elektroschocker und drei geladenen Pistolen bewaffnet gewesen.
Nach einer Viertelstunde soll es zu gegenseitigen Beleidigungen gekommen sein. In der Folge soll Erdal E. laut Anklage ein Messer gezogen und "in Tötungsabsicht" mehrfach auf den Cousin von Taylan K. eingestochen haben. Dieser soll wiederum eine Pistole gezogen und mehrere Schüsse auf den 32-Jährigen abgegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft rannte Serdal E. aus dem Eiscafé und floh in Begleitung zweier Freunde. Es kam zu mehreren Schusswechseln in und vor dem Lokal. Dabei wurden der 26-jährige Bruder von Erdal E. und Serdal E. sowie die 55-jährige Anna K. getötet. Sie hatte draußen vor dem Café lediglich einen Cappuccino trinken wollen, als sie von einer verirrten Kugel getroffen wurde.
14-mal zugestochen
Schließlich kehrte Serdal E. der Anklage zufolge zum Tatort zurück und sah seinen toten Bruder vor dem Café liegen. Daraufhin soll er ein Messer gezogen und insgesamt 14 Mal auf den Rücken und den Hinterkopf des verletzt am Boden liegenden Cousins von Taylan K. eingestochen haben. Der 29-Jährige starb.
Eine 70-köpfige Sonderkommission konnte die Täter binnen weniger Tage ermitteln und festnehmen. Serdal E. befand sich zunächst auf der Flucht, konnte aber Ende Oktober 2008 in Belgien aufgegriffen werden. Zwei weitere Männer, die nicht direkt an der Tat beteiligt waren, sondern während des Treffens vor der Eisdiele gewartet hatten, werden den Angaben zufolge gesondert verfolgt. Für den Prozess sind bislang 16 Verhandlungstage angesetzt. Die drei Angeklagten sind laut Staatsanwaltschaft nicht geständig.
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