Zwei Häftlinge der JVA Münster auf der Flucht: Müller-Piepenkötter will alle NRW-Gefängnisse überprüfen
zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 17:15Münster/Düsseldorf (RPO). Nach ihrem Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster fehlt von den beiden Häftlingen noch jede Spur. Unterdessen ordnete Nordrhein-Westfalens Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) an, dass alle 36 Haftanstalten im Land umfassend überprüft werden.
Bei der Polizei gingen dem Sprecher zufolge nach der Flucht der beiden Häftlinge einige Hinweise aus der Bevölkerung ein. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte, werde bei der Suche auch das Umfeld der beiden 25 und 34 Jahre alten Männer ins Visier genommen. Eine heiße Spur ergab sich aber nicht.
Die Häftlinge waren am Dienstagmorgen über eine Regenrinne in die Freiheit geklettert. Sie hatten ein vergittertes Oberlicht in einem WC-Raum aufgebrochen und waren auf ein Flachdach gelangt. Anschließend rutschten die Häftlinge an der Regenrinne herunter - unbemerkt von den Überwachungskameras, die diese Zone nicht einsehen konnten. Außerdem war das Dach nicht mit Draht gesichert. Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Männer bei ihrer Flucht Unterstützung von außen bekommen haben. In dem mehr als 150 Jahre alten Gefängnisgebäude in Münster sitzen derzeit etwa 500 Gefangene ein.
Müller-Piepenkötter forderte die Gefängnisleiter auf, sowohl bauliche Gegebenheiten als auch organisatorische Abläufe in den Anstalten umfassend zu prüfen. Über die Ergebnisse sollten sich die Anstalten kurzfristig und regelmäßig austauschen, um voneinander zu profitieren.
Kritik aus der SPD
Kritik kam aus den Reihen der SPD-Landtagsfraktion. Deren Vize Ralf Jäger sagte, die kurzfristige Einberufung einer Dienstbesprechung der Leiter der NRW-Gefängnisse belege, dass die Justizministerin "immer einen Schritt zu spät" komme. Bereits nach dem Ausbruch zweier Schwerverbrecher aus der JVA Aachen Ende November hätte die Landesregierung mit den Anstaltsleitern über die sicherungstechnischen Zustand ihrer Anstalten sprechen müssen.
Die beiden aus der JVA Münster geflohenen Männer gelten nach Angaben der Anstaltsleitung nicht als gewaltbereit. Nach Berichten des in Bielefeld erscheinenden "Westfalen-Blatts" sowie der "Bild"-Zeitung (beide Donnerstagausgaben) soll jedoch einer der beiden Häftlinge, der 25-Jährige, vor Jahren in seiner Heimat Kosovo einen Polizisten niedergestochen haben. Der Polizist hatte den Angriff überlebt.
Laut "Bild"-Zeitung war es zu dem Angriff auf den Polizisten im Jahr 2005 gekommen. Der 25-Jährige habe deshalb auch zwei Jahre wegen versuchten Mordes in U-Haft gesessen, sagte seine Anwältin Daliborka Djukic-Schröder dem Blatt. Der 25-Jährige behaupte aber, von dem Polizisten schon seit längerer Zeit erpresst worden zu sein, er habe daher aus "Notwehr" gehandelt.
Nach den zwei Jahren in der Untersuchungshaft sei der 25-Jährige dann 2007 auf dem Weg zu seiner Verhandlung geflohen und anschließend nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat sei er in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.
Laut Djukic-Schröder ist der Grund für die Flucht ihres Mandaten aus der JVA Münster Angst vor Abschiebung in den Kosovo: "Er ist überzeugt, dass er nach einer Abschiebung in die Heimat getötet würde. Das Ausländeramt Münster hat ihm aber deutlich signalisiert, dass es keine Hinderungsgründe für eine Abschiebung sehe."
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