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Problem mit verhaltensauffälligem Tier
Wolf lief Frau mit Kinderwagen hinterher

Fotos: Seit dem Jahr 2000 wieder in Deutschland heimisch
Fotos: Seit dem Jahr 2000 wieder in Deutschland heimisch FOTO: dpa, iwa cul lof
Reinsehlen . Ein verhaltensauffälliger Wolf in der Heide sorgt für Schlagzeilen. Er hat jede Scheu vor Menschen verloren. Auch ein eigens aus Schweden eingeflogener Experte hat seine liebe Not mit dem Tier. 

Der Wolf von Munster in Niedersachsen war zuletzt im Februar einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund hinterhergelaufen. Auch soll er sich an der Flüchtlingsunterkunft in Bad Fallingbostel zum Schlafen hingelegt haben.

Das aber ist alles andere als normal. Üblicherweise legen Wölfe gegenüber Menschen Scheu an den Tag und halten von sich aus Abstand. Nun aber sieht das Umweltministerium in Niedersachsen gezwungen, erstmalig nach der Rückkehr der Wölfe ins Land gegen eines der Tiere vorzugehen.

Ein Wolfsexperte aus Schweden hat erste Schritte zur Vergrämung des verhaltensauffälligen Wolfes ergriffen. Das Tier sei am Sonntag per Funkpeilung von einem Flugzeug aus geortet worden, teilte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am späten Montagabend in Reinsehlen bei Schneverdingen im Heidekreis mit.

Noch am gleichen Tag seien erste Schritte eingeleitet worden, um das Tier wieder auf Distanz von Menschen zu halten, nachdem der Wolf jede Scheu verloren hatte. Am Montag seien fünf weitere Versuche unternommen worden, sich zu nähern.

"Wir haben jetzt drei Tage lang hier in der Heide Maßnahmen durchgeführt", sagte Wenzel (Grüne) am späten Montagabend. Gemeinsam mit dem vom Ministerium mit der Vergrämung beauftragten Experten Jens Karlsson aus Schweden stellte Wenzel bei einem Pressetermin erste Ergebnisse der Aktion vor.

Bislang habe sich der Wolf überraschend scheu gezeigt, hieß es. So hätten etwa Gummigeschosse nicht eingesetzt werden können. Meist sei Karlsson nicht näher als 200 Meter herangekommen. Hintergrund könnte sein, dass der mit einem Sender versehene Rüde in Begleitung eines zweiten Wolfes war. Bei den Annäherungen sei zum Teil gesprochen und geschrien worden, berichtete Karlsson, der zunächst wieder nach Schweden zurückkehrt.

Ein Abschuss des geschützten Tieres sei weiterhin das letzte denkbare Mittel, betonte Wenzel. Zunächst sollte der Wolf etwa durch Lärm oder Beschuss mit Gummigeschossen wieder auf mehr Distanz zum Menschen gebracht werden, hieß es zuvor. Das Tier könnte aber auch eingefangen und in ein Gehege gebracht werden. Eine Vergrämung sei nur in deutlich weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich, so Karlsson.

"Ich hoffe, dass die Maßnahme wirkt", sagte Wenzel. "Gegebenenfalls werden wir Herrn Karlsson bitten, ein zweites Mal zu kommen."

(dpa)
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