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Prozess in Düsseldorf
Mutmaßlicher Kofferbomber sucht Asyl

Düsseldorfer Kofferbomber-Prozess ist beendet
Düsseldorfer Kofferbomber-Prozess ist beendet FOTO: ddp
Düsseldorf (RPO). Der mutmaßliche Kofferbomber sucht laut Medienberichten Asyl in Deutschland. Im Libanon wurde der vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht angeklagte Youssef El H. bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. Ginge er zurück in seine Heimat, drohten ihm mindestens 21 Jahre Gefängnis. El H. hofft hier auf eine mildere Strafe.

Anwalt Johannes Pausch prüft, einen Asyantrag für seinen Mandanten Youssef El H. zu stellen. Das berichtete die "Bild"-Zeitung am Donnerstag. Offenbar schätzt der Jurist die Erfolgsaussichten eines solchen Antrags áber eher gering ein. "Mein Mandant ist im Libanon behütet aufgewachsen, wurde dort nicht politisch verfolgt", zitiert das Blatt Pausch.

Am zweiten Verhandlungstag im "Kofferbomber-Prozess war El H. schwer belastet worden. Der Ermittlungsführer des Bundeskriminalamtes (BKA) führte zahlreiche Sachbeweise gegen den 23 Jahre alten Libanesen an. Unter anderem gab der Beamte an, die Ermittler hätten Fingerabdrücke und DNA-Spuren des Angeklagten an den Bomben identifiziert. Außerdem seien E-Mails gefunden worden, in denen El H. seinem mutmaßlichen Komplizen Internetlinks geschickt habe, die zu Bombenbauanleitungen führten. Auch der Kauf von Einzelteilen für die Bomben lasse sich einwandfrei nachweisen, sagte der Beamte.

El H. selbst wollte sich auch am zweiten Verhandlungstag nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern. Er räumte jedoch ein, sich und seinen mutmaßlichen Komplizen auf mehreren Bildern verschiedener Videokameras auf dem Kölner Hauptbahnhof und dem Bahnhof am Flughafen Köln-Bonn wiedererkannt zu haben.

In dem Verfahren muss sich der Libanese wegen vielfachen versuchten Mordes und versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten. Laut Bundesanwaltschaft soll der Angeklagte am 31. August 2006 im Kölner Hauptbahnhof gemeinsam mit seinem mutmaßlichen Komplizen Jihad H. zwei Sprengsätze in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert haben. Nur aufgrund eines Konstruktionsfehlers waren die Kofferbomben in den Zügen nicht explodiert.

Am Dienstag war El H. bereits von einem libanesischen Gericht in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sein mutmaßlicher Komplize soll laut Urteil für zwölf Jahre ins Gefängnis. Der Prozess in Düsseldorf soll bis mindestens Mitte nächsten Jahres dauern. Der nächste Verhandlungstag ist für den 10. Januar geplant.

 
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