Haider: "Das ist eine nette Familie": Mutmaßlicher NS-Verbrecher feierte bei EM
zuletzt aktualisiert: 19.06.2008 - 12:25Klagenfurt (RPO). In Kroatien wird Milivoj Asner wegen NS-Kriegsverbrechen gesucht. In Klagenfurt hingegen kann er friedlich über die Fanmeile flanieren. Nach einem Bericht einer britischen Zeitung schlagen die Wellen der Empörung hoch. Und auch die Klagenfurter Justiz hat die Ermittlungen wieder aufgenommen - doch Österreich hätte Asner schon längst ausliefern können.
Interpol sucht Asner aufgrund eines kroatischen Haftbefehls wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Eine Auslieferung scheiterte nach Angabe einer österreichischen Nachrichtenagentur an psychiatrischen Gutachten, die dem inzwischen 95-Jährigen mangelnde Vernehmungs- und Verhandlungsfähigkeit attestierten.
Ein Reporter der Boulevardzeitung "The Sun" hatte den mutmaßlichen Kriegsverbrecher bei einem Spaziergang auf der Klagenfurter Fanmeile entdeckt. Er porträtierte ihn als rüstig und geistig klar und zitierte Asner mit der Aussage, er sei bereit, vor einem kroatischen Gericht auszusagen. Asner hingegen gibt an, er habe der "Sun" kein Interview gegeben. "Mit mir hat niemand gesprochen", sagte der in Klagenfurt lebende Asner der "Kleinen Zeitung".
Der Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) Jörg Haider nahm Asner in Schutz. "Er soll seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfen", sagte der rechtsgerichtete Politiker der Tageszeitung "Der Standard" vom Mittwoch. "Er ist seit Jahren ein Klagenfurter Bürger, der friedlich bei uns lebt. Das ist eine nette Familie."
Die Klagenfurter Justiz hat die Ermittlungen im Fall Asner wieder aufgenommen. Angesichts der Kritik am Vorgehen der österreichischen Justizbehörden erwägen diese laut APA nun, einen ausländischen Gutachter zurate zu ziehen. Asner soll während des Zweiten Weltkriegs als Polizeichef in der kroatischen Stadt Pozega für Verbrechen an der Zivilbevölkerung und Deportationen in Konzentrationslager verantwortlich gewesen sein.
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