Bleiberecht für Roma-Kinder in Deutschland: Nach Abschiebung kaum Zukunftschancen
zuletzt aktualisiert: 08.07.2010 - 14:33Berlin (RPO). Die von Abschiebung aus Deutschland bedrohten Roma-Kinder erwartet einer Unicef-Studie zufolge im Kosovo das soziale Abseits. Die 5.000 betroffenen Kinder und Jugendliche - größtenteils in Deutschland geboren - haben kaum Aussicht auf Schulbildung.
Auch die Aussichten auf medizinische Versorgung und gesellschaftliche Integration seien sehr schlecht, wie die am Donnerstag vorgestellte Untersuchung ergab. Demnach gehen drei von vier Kindern im Kosovo nicht mehr zur Schule. "Deshalb müssen die Abschiebungen gestoppt werden", forderte Unicef-Vorstand Tom Koenigs.
Das Rückübernahmeabkommen der Bundesregierung mit der kosovarischen Regierung vom 12. April 2010 betrifft der Studie zufolge knapp 12.000 Angehörige der Minderheiten der Roma-, Ashkali- und Kosovo-Ägypter. Bei bis zu 50 Prozent handele es sich um Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Im Durchschnitt lebten die befragten Familien bereits 14 Jahre lang in Deutschland.
"Sie fühlen sich ganz klar als Deutsche"
Kosovo-Expertin Verena Knaus sprach mit 40 Roma-Familien im Kosovo, die bereits aus Deutschland zurückgekehrt waren, beziehungsweise 116 Kindern. "Zwei von drei Kindern die wir angetroffen haben, sind in Deutschland geboren und fühlen sich ganz klar als Deutsche", sagte Knaus. Auch mit der deutschen Sprache fühlten sie sich oft heute noch wohler.
Unicef-Büroleiter im Kosovo, Johannes Wedening, ergänzte: "Kinder, die in Deutschland aufgewachsen sind, können sich meist nicht verständigen und verlieren fast alle sozialen Kontakte." Zudem seien die Roma im Kosovo "die ärmste Volksgruppe im ärmsten Land Südosteuropas". "Viele Familien versuchen deshalb verzweifelt und um jeden Preis, nach Deutschland zurückzukehren", sagte Wedening.
Materielle Armut, Sprachbarrieren und fehlende Schulzeugnisse rückten die Rückkehrer immer mehr ins Abseits. Von den im Kosovo befragten 173 Roma besaßen 65 keine Ausweispapiere. Viele der in Deutschland geborenen Kinder besitzen keine Geburtsurkunde - mit gravierenden negativen Folgen für Bildungs- und Integrationschancen, heißt es in der Untersuchung.
Jugendliche aus dem Kosovo sind hier gut integriert
Der Vorsitzende im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, Koenigs, erklärte: "Viele Kinder und Jugendliche aus dem Kosovo sind in Deutschland gut integriert." Er forderte daher ein dauerhaftes Bleiberecht für in Deutschland geborene Kinder und Jugendliche.
"Bei Entscheidungen über Aufenthaltserlaubnisse für langjährig Geduldete muss das Kindeswohl der ausschlaggebende Faktor sein", betonte Koenigs. Dafür müsse das Aufenthaltsrecht im Sinne der Kinder flexibler gehandhabt werden können als bislang.
Die meisten Roma sind in den frühen 1990ern Jahren aus dem Kosovo geflohen, als Jugoslawien in Bürgerkriegen zerfiel. Weitere kamen in Folge des Kosovo-Krieges von 1998/1999 nach Deutschland.
Sinti und Roma sind Angehörige einer im Mittelalter aus Indien nach Europa ausgewanderten ethnischen Minderheit. Die in Deutschland noch immer häufig gebrauchte Bezeichnung Zigeuner lehnen sie als diskriminierend ab.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







