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Forscher nach Unglück an BASF-Anlage
"Menschen verdrängen die Gefahr"

Nach BASF-Unglück – "Menschen verdrängen die Gefahr"
Die Anwohner von gefährlichen Anlagen sind sich den Risiken laut einem Experten oft nur unterschwellig bewusst. FOTO: dpa, ua rho
Ludwigshafen. Nach dem Unglück mit mindestens zwei Toten beim Chemieriesen BASF stellt sich die Frage: Wie gehen Anwohner mit solchen Großanlagen vor der Haustür um? Risikoforscher Klaus Heilmann berichtet im Interview über einen Schutzmechanismus.

Wie kommen Anwohner neben großen Konzernen oder Kraftwerken mit der ständigen Gefahr klar?
Damit lebt man. Die Leute haben auch nicht in dem Sinne Angst, sie haben wohl eine gewisse Furcht – sie wissen, dass da tatsächlich etwas passieren kann und dass das ernsthafte Auswirkungen haben kann. Aber sie sind es gewohnt und sie verdrängen es auch.

Warum ist Verdrängung so entscheidend?
Verdrängung ist ein ganz wichtiger Mechanismus für den Menschen. Ohne Verdrängung könnten wir gar nicht leben, weil wir dann permanent von Ängsten und Fürchten gejagt werden. Dann könnten wir nicht existieren, wir könnten nicht über eine Straße gehen, nicht in einem Kamin Feuer machen – dann würden wir ständig diese Fluchtreflexe haben, die Ängste auslösen.

Explosion und Feuer bei BASF in Ludwigshafen FOTO: dpa, rho

Kann Verdrängung auch gefährlich sein?
Ja, Verdrängung kann auch zum Ignorieren von Gefahren führen. Wir verdrängen etwas, weil wir nicht sehen wollen, dass da eine große Gefahr auf uns zukommt – zum Beispiel, wenn eine Anlage nicht so gewartet wird. Das ist ein großes Problem. Große Unglücke sind auch aus Verdrängung von Gefahrenherden entstanden.

Sehen Sie Derartiges beim BASF-Unglück?
Nein, sicher nicht. Die Anwohner verlassen sich darauf, dass das Unternehmen immer alles sorgsam prüft und alles gut in Schuss hält. Das ist ganz wichtig. Die Sicherheitsmaßnahmen in all diesen großen Werken haben vor allem in Deutschland einen ganz hohen Standard. Das gilt sicher auch bei der BASF. Die Leitung eines solchen Werkes ist bemüht, in ständigem Kontakt mit den Anwohnern zu sein und sie zu informieren. Das trägt natürlich dazu bei, dass die Leute das Ganze gelassener nehmen.

 

  • Risikoforscher Klaus Heilmann ist studierter Mediziner. Der 79-Jährige war Professor an der TU München und ist heute vor allem als Autor tätig. Wissenschaftliche Forschungs- und Lehrtätigkeiten führten Heilmann regelmäßig in die USA, wo er an verschiedenen Universitäten Gastprofessuren innehatte. Zudem arbeitete er als Film- und TV-Produzent für ARD und ZDF.
(bur/dpa)
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