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Sprengsatz am Bonner Bahnhof
Nach Bombenleger wird nun in rechter Szene gesucht

Versuchter Bombenanschlag auf Bonner Hauptbahnhof
Versuchter Bombenanschlag auf Bonner Hauptbahnhof FOTO: dapd, Polizei
Bonn/Hamburg. Während Experten mittlerweile davon ausgehen, dass die Bombe am Bonner Hauptbahnhof nicht sprengfähig war, werden die Bombenleger einem Medienbericht zufolge auch in der rechtsextremen Szene gesucht.

Die Bundesanwaltschaft habe inzwischen das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet, um mögliche Spuren in die rechtsextreme Szene zu ermitteln, schreibt der "Spiegel" mit Verweis auf einen vertraulichen Lagebericht. Das Bundeskriminalamt habe die Ermittlungen "in alle Richtungen" ausgeweitet.

Ob die Täter tatsächlich in der islamistischen Szene zu finden seien, werde immer mehr bezweifelt. Denkbar sei aber auch ein unpolitisches Motiv, etwa eines Erpressers oder einer "psychisch erkrankten Person". Noch immer ist unklar, wer am 10. Dezember vergangenen Jahres die blaue Tasche mit einer Bombe am Bahnhof abgestellt hat.

Bombe hatte keinen Zünder

Unterdessen stellt sich laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" heraus, dass die abgestellte Bombe gar nicht hätte explodieren können. "Die Bombe war nicht sprengfähig, weil ein Zünder fehlte", zitiert das Blatt einen hohen Sicherheitsbeamten.

Auf dem Bonner Hauptbahnhof hatte am 10. Dezember ein Unbekannter eine Sporttasche mit einem Sprengsatz abgestellt. Dieser explodierte nicht, die Bombe wurde von Experten zerstört. Der Täter ist auch einen Monat nach dem Anschlag noch nicht identifiziert. Wichtige Hinweise lieferte die Videoaufnahme einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants am Bahnhof. Darauf zu sehen ist ein bärtiger Mann mit Mütze und Handschuhe, den die Ermittler derzeit im Verdacht haben, der Bombenleger zu sein.

Bislang waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Bombe tatsächlich hätte detonieren können. Sie sei nur wegen eines Baufehlers nicht explodiert. Darauf hätten ein niedriger Ladestand der Batterien und Schmauchspuren an der Tasche hingewiesen, in der die Bombe transportiert worden war.

Bei der Suche nach den Tatverdächtigen führten dem "FAS"-Bericht zufolge die Spuren in die radikalislamistische Bonner Szene bisher nicht weiter. Es werde davon ausgegangen, dass die Bundesanwaltschaft den Fall in den kommenden Wochen wieder abgeben werde. Diese hatte im Dezember den Fall wegen des Verdachts übernommen, dass es sich um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer radikalislamischen terroristischen Vereinigung handeln könne. Das Bundeskriminalamt (BKA) wurde mit den Ermittlungen beauftragt.

Aufschluss über den möglichen Täter erhoffen sich die Ermittler nach einem Bericht der "Welt" durch ein am Tatort gefundenes Haar. Dieses sei in der blauen Sporttasche entdeckt worden, in der die Bombe versteckt war, berichtete die Zeitung am Samstag. Dem Bericht zufolge handelt es sich um das Haar eines hellhäutigen, männlichen Europäers oder Nordamerikaners. Es sei ersten Untersuchungen zufolge offenbar blond gefärbt worden. Ob es sich für eine DNA-Analyse eignet, sei bislang unklar. Die Ermittler gingen davon aus, dass das Haar von dem Bombenleger stamme.

Bundesanwaltschaft und BKA wollten sich auf Anfrage zu den Berichten nicht äußern. Sprecher beider Behörden verwiesen auf Anfrage auf die laufenden Ermittlungen.

(APD/AFP/felt)
 
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