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Polizei fordert Konsequenzen: "Nehmt Rockern die Kutten weg!"

VON G. PETERS, C. SCHWERDTFEGER UND J. STOCK - zuletzt aktualisiert: 24.01.2012 - 02:30

Mönchengladbach (RP). Nach der Schlägerei zwischen den verfeindeten Rocker-Gruppen Bandidos und Hells Angels in Mönchengladbach hat es einen Sprengstoff-Anschlag auf ein Club-Heim der Bandidos in Herten gegeben. Die Polizeigewerkschaft schlägt vor, den Rockern ihre Jacken und Motorräder zu verbieten.

Die Polizei in Recklinghausen untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen einer Explosion im Vereinsheim der Bandidos in Herten und der Massenschlägerei zwischen Bandidos und Hells Angels in der Mönchengladbacher Altstadt gibt.

Bei der Explosion in Herten waren am Sonntag zwei Schaufensterscheiben des Vereinsheims "La Casa de los Locos" ("Das Haus der Verrückten") zu Bruch gegangen und drei vor dem Haus geparkte Pkw beschädigt worden. Ein Mann, der sich zum Zeitpunkt der Explosion in dem Lokal aufhielt, blieb nach Polizeiangaben unverletzt. In die Ermittlungen wurden auch Experten des Landeskriminalamts (LKA) Düsseldorf eingeschaltet.

In Mönchengladbach hat die Polizei unterdessen eine Mordkommission eingerichtet. Bei der Auseinandersetzung zwischen den Hells Angels und den Bandidos waren vier Menschen verletzt worden. Ein Rocker erlitt eine lebensgefährliche Stichverletzung. Er liegt noch auf der Intensivstation. Sechs tatverdächtige Rocker wurden festgenommen. Bei ihnen wurden Messer, Stuhlbeine, Schlagringe und Metallrohre als Waffen sichergestellt.

Bandidos-Sprecher verteidigt die Gang

Von den Bandidos sei die Gewalt nicht ausgegangen, sagt ein Sprecher des Motorradclubs. "Wir haben nicht mit der Schlägerei angefangen, die Aggression kam nicht von uns. So etwas bringt unsere ganze Szene in Verruf", sagt er. Seiner Meinung nach handele es sich bei der Attacke und dem anschließenden Granatenwurf auf ihr Vereinsheim in Herten auch um keine geplante Aktion der Führungsriege der Hells Angels. "Das waren irgendwelche Einzeltäter, die sich nicht an die Gesetze und die Friedensvereinbarung halten", sagt er. "So etwas kann in so großen Organisationen schon mal passieren. Da hat man nicht alle Mitglieder im Griff."

Nach Darstellung eines betroffenen Gladbacher Altstadt-Wirtes hätten die Bandidos die Massenschlägerei jedoch angezettelt. Offensichtlich hätten sich zunächst Gäste, die seine Türsteher abgewiesen hätten, mit den Bandidos verbündet. Die seien dann am Samstag mit 60 Mann in der Altstadt aufgetaucht. Daraufhin hätten sich auch seine Leute Hilfe geholt. "Ob da Hells Angels dabei waren, kann ich nicht sagen." Jedenfalls sei er überzeugt, dass es den Bandidos nicht nur darum gegangen sei, sich für den verweigerten Einlass zu rächen: "Die wollen die komplette Altstadt übernehmen."

"Der Rocker-Krieg war nie beendet"

Im Mai 2010 war in der Kanzlei des Hannoveraner Rechtsanwalts Götz von Fromberg ein Waffenstillstand zwischen Hells Angels und Bandidos geschlossen worden. Ist dieser "Friedensvertrag" nun gefährdet? "Wenn es nicht gelungen sein sollte, die Vereinbarung einzuhalten, wäre das zu bedauern", sagte von Fromberg am Montag.

Im Lagebericht "Organisierte Kriminalität" des LKA Düsseldorf heißt es zu dem Abkommen: "Der einen Tag vor der Tagung der Innenministerkonferenz erfolgte 'Friedensvertrag' wird als Versuch der beteiligten Rockergruppierungen bewertet, die Diskussion über ein mögliches Vereinsverbot der Motorradclubs positiv zu beeinflussen." Gita Ekberg, die zwei Filme über die deutsche Rockerszene gedreht hat, sieht das ähnlich: "Der Rocker-Krieg ist durch die Schlägerei in Mönchengladbach nicht wieder aufgeflammt – er hat nie aufgehört."

Die Polizei fordert Konsequenzen

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, glaubt ebenfalls nicht, dass das Abkommen ernst gemeint war. Der Gewerkschaftler fordert die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. "So können wir die Rocker besser überwachen und Beweise sammeln, damit wir die Motorradclubs auch gesetzlich verbieten können", sagt er.

Zunächst müsste man den Rockern jedoch das Tragen der Kutten verbieten und ihnen die Führerscheine und Motorräder abnehmen. "Es handelt sich bei den Mitgliedern der Clubs schließlich in der Regel um Kriminelle, die ihr Geld mit der Förderung von Prostitution verdienen."

Vor laufenden Kameras

Ungewöhnlich an dem Mönchengladbacher Fall ist, dass die Rocker sich vor laufenden Kameras prügelten. Aus Sicherheitsgründen wird der Alte Markt videoüberwacht. Laut Polizei ist auf den beschlagnahmten Bändern auch die Schlägerei zu sehen. Dies könne, sagt Rocker-Expertin Ekberg, darauf hindeuten, dass beiden Clubs an einer Machtdemonstration gelegen war: "Vielleicht wollte man damit demonstrieren, dass man in der Lage ist, rechtsfreie Räume zu besetzen."

Quelle: RP/pst/top


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