Sarg mit Hakenkreuzfahne bedeckt: Neonazi-Prozess platzt wegen Befangenheit des Richters
zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 11:56Passau (RPO). Der Passauer Prozess um das Bedecken eines Sarges mit einer Hakenkreuzflagge ist geplatzt. Der Amtsrichter Hans Wastlhuber wurde am Montag wegen Befangenheit abgelöst. Wastlhuber hatte zum Abschluss der Beweisaufnahme am Montag gesagt: "Passt". Die Verteidigung des angeklagten Thomas W. wertete dies als Vorverurteilung ihres Mandanten und setzte sich damit durch.
Nun muss ein neuer Richter das Verfahren gegen Thomas W. übernehmen und neu aufrollen. Am Morgen hatte W. vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Ihm sei die Flagge von anderen Teilnehmern der Trauerfeier überreicht worden, sagte W. aus. Er habe sie dann auf den Sarg des Rechtsextremisten Friedhelm B. drapiert, weil er am nächsten am Grab gestanden habe.
Der bundesweit bekannte Neonazi Thomas W. gestand, er habe zwei Fahnen –darunter die Nazi-Version der Reichskriegsflagge mit dem Hakenkreuz – über den im offenen Grab liegenden Sarg des Altnazis Friedhelm B. geworfen, sagte W. am Montag. "Ich wollte, dass die Fahnen da bleiben. Es waren die Fahnen des Toten, die sollten bei ihm bleiben", sagte der Neonazi.
W. ist wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angeklagt. Nach eigenen Worten versucht er, die Fahnen, die ihm andere Teilnehmer der Beerdigung gegeben hätten, unauffällig über den Sarg zu breiten. In der Nähe hätten Zivilpolizisten gestanden, und er habe einen Polizeieinsatz verhindern wollen.
Die Beisetzung, zu der Rechtsextremisten aus ganz Deutschland angereist waren, hatte vergangenes Jahr die Passauer Polizei und ihren damaligen Chef Alois Mannichl auf den Plan gerufen. Nach dem Messerangriff auf Mannichl im vergangenen Dezember wurde dieses Attentat auch mit dem Polizeieinsatz bei der Beerdigung in Zusammenhang gebracht.
Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl, der W. nach der Tat festnehmen ließ, wurde 2008 an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell von einem bisher Unbekannten mit den Worten "Viele Grüße vom nationalen Widerstand" niedergestochen und schwer verletzt. Die Ermittler vermuten deshalb einen Racheakt von Rechtsextremisten.
Bisher tappen die Ermittler auf der Suche nach dem Attentäter im Dunkeln.
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