Deutsche-Bank-Chef vor 20 Jahren ermordet: Neue Spur im Mordfall Herrhausen
zuletzt aktualisiert: 30.11.2009 - 07:49Düsseldorf (RP/RPO). 30. November 1989: In den Jubel über den Fall der Berliner Mauer und den rapiden Wandel in der DDR platzte vor 20 Jahren eine Schreckensnachricht. Terroristen ermorden Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen. Bis heute ist die Tat nicht aufgeklärt. Jetzt gibt es neue Spuren.
Das Bild eines gepanzerten Dienstwagens, den ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz zerstört hatte, wurde am 30. November 1989 zu einem Symbol für die Macht des Terrors. Die Bombe tötete Alfred Herrhausen, den Chef der Deutschen Bank - und kein typischer Manager. Zu einem Zeitpunkt, als die Deutschen über den Fall der Mauer erleichtert waren, kam der Terrorismus zurück. Wer genau hinter dem Verbrechen steckt, ist bis heute nicht aufgeklärt.
Seinerzeit bekannte sich die Rote Armee Fraktion (RAF) zu dem Attentat. Doch wer die Bombe legte und zündete, ist unbekannt. Aber es gibt neue Spuren. Der Generalbundesanwalt lässt fünf Bekennerschreiben der RAF auf DNA-Spuren untersuchen, wie "Die Welt" berichtet. Das Attentat wird der dritten Generation der RAF zugerechnet, weil der Bankchef schon seit den 70er Jahren auf der Todesliste der Terroristen stand. Doch bei Fachleuten gelten die Bekennerschreiben als untypisch für diese Organisation. Ob die neuen Untersuchungsmethoden im Fall Herrhausen zu neuen Ermittlungen gegen konkrete Tatverdächtige führen werden, steht nach Angaben der Ankläger allerdings frühestens in "Wochen oder Monaten" fest.
Vielleicht kommt nun Licht in eine der dunkelsten Stunden der bundesdeutschen Geschichte. Alfred Herrhausen starb in Bad Homburg auf dem Weg ins Büro. Herrhausen, damals 59 Jahre alt, war ein außerordentlich erfolgreicher Bank-Manager – und noch viel mehr. In einem Fernsehfilm schilderten Freunde, Bekannte und seine Zwillingsschwester Herrhausen als klugen, menschenfreundlichen Visionär. Denn Herrhausen dachte weit über die Grenzen der Bankenwelt hinaus. Im September 1988 schlug er bei einer Tagung des Internationalen Währungsfonds in Berlin vor, die Industrieländer sollten den Entwicklungsländern ihre Schulden zumindest teilweise erlassen. Wenig später gehörte der gebürtige Essener zu den Gründern des "Initiativkreis Ruhrgebiet", der im Februar 1989 seine Arbeit aufnahm und sich bis heute um den Strukturwandel des einstigen Kohle- und Stahlreviers bemüht.
Auch im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung war Herrhausen aktiv. Als die Bundesregierung im August 1989 vertraulich mit dem damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Nemeth über die Öffnung der ungarischen Westgrenze nach Österreich und die Ausreise der in Ungarn auf eine Flucht-Möglichkeit wartenden DDR-Bürger verhandelte, kam auch Ungarns Wunsch auf Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft zur Sprache. Ungarns hohe Auslandsschulden stellten ein Hindernis dar. Bundeskanzler Helmut Kohl versprach den Ungarn, er werde Herrhausen entsenden, damit die Frage der Schulden geklärt werde.
Kohl konnte das zusagen, weil er seit Jahren den Rat des Bank-Chefs einholte. Schon am Abend nach Kohls Amtseinführung im Herbst 1982 hatte Herrhausen zu den Gästen eines Abendessens gehört, zu dem der damals neue Kanzler enge Weggefährten geladen hatte. In seinen Memoiren nennt der ehemalige Kanzler den Ermordeten "Freund und Ratgeber" und bezeichnet den Mord "menschlich und politisch" als schweren Schlag.
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