"Entscheidende Hinweise" schon 2004: Neue Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Lea-Sophie
zuletzt aktualisiert: 30.12.2007 - 11:09Schwerin (RPO). Im Fall der verhungerten Lea-Sophie wusste das Schweriner Jugendamt offenbar früher als bislang bekannt von den Problemen in der Familie des fünfjährigen Mädchens. Ein Bericht der Stadtverwaltung erhebt schwere Vorwürfe. Das Amt hätte schon 2004 über "entscheidende Hinweise" verfügt.
Das Schweriner Jugendamt hat offenbar früher als bislang eingeräumt von Schwierigkeiten in der Familie der im November verhungerten fünfjährigen Lea-Sophie gewusst. Das geht nach Ansicht mehrerer Stadtvertreter aus einem Zwischenbericht hervor, den die Stadtverwaltung einem Sonderausschuss der Stadtvertretung vorlegte. Bereits 2004 habe das Jugendamt "entscheidende Hinweise" auf eine eventuelle Gefährdung des Kindeswohls gehabt, sagte Edmund Haferbeck (Grüne) der Nachrichtenagentur AFP. Der Bericht offenbare "eklatante Mängel der Verwaltungsarbeit, nachträgliche Verharmlosungsversuche und Widersprüche".
Kurz nach dem Tod der Fünfjährigen hatten Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) und Sozialdezernent Hermann Junghans (CDU) beteuerte, das Jugendamt habe "vorschriftsmäßig, ordnungsgemäß und sachgerecht" gehandelt. Das bezweifelt inzwischen auch der Stadtvertreter Silvio Horn (Unabhängige Bürger). Nach erneuten deutlichen Hinweisen an das Jugendamt im November 2006 habe ein Sachbearbeiter die Eltern zweimal erfolglos ins Jugendamt eingeladen und dann die Akte beiseite gelegt.
"Jugendamt unterließ Hausbesuch"
"Der vorgeschriebene Hausbesuch und eine schriftliche Mitteilung an die Vorgesetze sind unterblieben", sagte Horn. Auch der letzte anonyme Hinweis an das Jugendamt soll sowohl Lea-Sophie wie auch ihrem acht Wochen alten Bruder gegolten haben. Laut Junghans' bisheriger Darstellung galt er nur dem Säugling.
Horn und Haferbeck kritisierten zudem, dass mehrere Gedächnisprotokolle von Kontakten des Jugenamtes zu den Eltern oder den Großeltern erst handschriftlich nach dem Tod des Mädchens zu den Akten gekommen seien. Andererseits seien auch sechs Wochen nach dem Tod Lea-Sophies noch nicht alle Jugendamtsmitarbeiter befragt worden, die mit dem Fall zu tun hatten.
Lea-Sophie war laut Obduktionsbericht über mehrere Monate von ihren Eltern vernachlässigt worden. Am Todestag wog sie nur noch 7,4 Kilogramm. Die 23-jährige Mutter und der 26-jährige Vater sitzen wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassen in Untersuchungshaft.
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