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Mordserie
Krankenpfleger Niels H. tötete wohl auch im Klinikum Oldenburg

Niels H.: Krankenpfleger mordete auch im Klinikum Oldenburg
FOTO: dpa, crj fdt
Oldenburg. Die Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. ist offenbar größer als bisher bekannt. Der bereits wegen Mordes Verurteilte habe vor seinen Taten in Delmenhorst auch im Klinikum Oldenburg Patienten getötet, teilten die Ermittler mit.

Von 99 exhumierten ehemaligen Patienten des Klinikums Delmenhorst seien bei 27 Rückstände eines Herzmedikaments entdeckt worden, sagte der Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme am Mittwoch.

Nach seinen Angaben hat Niels H. auch im Klinikum Oldenburg den Tod mehrer Menschen zur verantworten. H. hatte bislang bestritten, bereits in Oldenburg getötet zu haben. Die Ermittlungen sollen weitergehen: "Wir gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer von Niels H. deutlich höher ist", sagte ein Polizeisprecher. So bestehe der Verdacht, dass Niels H. auch mit anderen Medikamenten als bisher angenommen getötet habe.

Niels H. tötete Patienten mit Herzmedikament

Der Krankenpfleger wurde wegen des Todes von fünf Patienten bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte vor Gericht aber bis zu 90 Taten gestanden. Bestätigen sich diese Angaben, könnte es sich um eine der größten Mordserien der deutschen Geschichte handeln. Niels H. hatte gestanden, zwischen den Jahren 2003 und 2005 seinen Opfern eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt zu haben. Dieses löst Kreislaufversagen oder andere schwere Komplikationen aus. Er habe sich unterfordert gefühlt und deshalb die Notfälle provoziert, begründete er die Taten vor Gericht.

Die Sonderkommission "Kardio" der Polizei arbeitet seit Monaten an der Aufklärung und prüft inzwischen mehr als 200 Verdachtsfälle. Darunter sind auch mehr als 174 Sterbefälle im Klinikum Delmenhorst, die in die Dienstzeit des Pflegers Niels H. fielen. Die Ermittler durchsuchten alte Krankenakten nach Hinweisen auf eine Tötung durch Niels H. und exhumierten danach alle in dem fraglichen Zeitraum verstorbenen Patienten, die nicht feuerbestattet worden waren.

"Unseliges Wirken des Niels H."

Im April hatte die Staatsanwalt bekannt gegeben, dass Niels H. inzwischen 24 Morde an Patienten nachgewiesen werden können. 

Die Ermittlungen würden vermutlich noch bis ins nächste Jahr hinziehen, sagte Thomas Sander von der Staatsanwaltschaft Oldenburg.
"Die Ermittlungen dauern so lange, bis wir das unselige Wirken des Niels H. komplett aufgeklärt haben". Es werde "jeder Stein umgedreht".

(rent/AFP/dpa)
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