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Vor Gericht: NPD-Vorsitzender soll Holocaust geleugnet haben

zuletzt aktualisiert: 07.08.2007 - 12:23

Friedberg (RPO). Der hessische NPD-Vorsitzende Marcel Wöll muss sich wegen des Vorwurfs der Holocaust-Leugnung vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung in der Verhandlung am Dienstag drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

Der NPD-Vorsitzende Marcel Wöll soll den Holocaust verharmlost haben.  Foto: AP, AP
Der NPD-Vorsitzende Marcel Wöll soll den Holocaust verharmlost haben. Foto: AP, AP

Als Mitglied der NPD-Fraktion im Wetterauer Kreistag hatte er in einer Sitzung des Kreisparlaments im März gefordert, die Zuschüsse für Klassenfahrten zu Gedenkstätten für Opfer des Nazi-Terrors wie dem Konzentrationslager Auschwitz zu streichen.

Außerdem hatte er diese Orte als "Stätten des so genannten nationalsozialistischen Terrors" bezeichnet. Derartige Fahrten dienten der "Gehirnwäsche" von Schülern, hatte Wöll erklärt. Ein Kreispolitiker hatte ihn daraufhin angezeigt.

In der Gerichtsverhandlung räumte Wöll über seine beiden Anwälte die Äußerungen ein. Zugleich erklärte der 24-Jährige jedoch, er habe damit nicht den Holocaust leugnen wollen. Die Verhandlung in Friedberg sei ein "Prozess um Missverständnisse". Von "Gehirnwäsche" habe er gesprochen, weil er der Meinung sei, dass den Schülern bei den Fahrten "Schuldgefühle eingetrichtert" würden.

Die Gießener Staatsanwaltschaft sieht in Wölls Äußerungen den Tatbestand der Holocaust-Leugnung erfüllt. Im Falle einer Verurteilung drohen dem vom Verfassungsschutz als Neonazi eingestuften Wöll bis zu fünf Jahre Gefängnis und der Verlust seines Kreistagsmandats. Für den Prozess in Friedberg war zunächst nur ein Verhandlungstag angesetzt.

Wöll wurde in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal wegen Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Erst vor wenigen Tagen bestätigte das Landgericht Gießen außerdem ein Urteil des Amtsgerichts Friedberg vom vergangenen Jahr, in dem Wöll wegen Beleidigung eines Polizisten zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt worden war.

Ende Juni sorgte Wöll, der im Februar für die NPD in den Wetterauer Kreistag nachgerückt ist, dort erneut für einen Eklat, als er gegenüber Jugendlichen, die Flugblätter mit der Aufschrift "Nie wieder Faschismus - NPD verbieten" verteilt hatten, handgreiflich wurde. Die Verteilung der Flugblätter an Kreistagsmitglieder und Journalisten vor der Sitzung hatte Kreistagspräsident Bernfried Wieland (CDU) zuvor genehmigt. Wöll wurde daraufhin von der Sitzung ausgeschlossen.

Quelle: ap

 
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