Schweinegrippe: NRW erwägt längere Ferien
VON EVA QUADBECK UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 01.08.2009 - 09:10Berlin/Düsseldorf (RP). Ein späterer Schulstart könnte die Ausbreitung des Virus verlangsam. Mediziner warnen vor einem Massenandrang bei den Impfungen. Hintergrund für die Überlegungen, die Sommerferien zu verlängern, ist die immer raschere Ausbreitung des Virus.
Offizieller Schulstart ist der 17. August. "Wir werden die nächsten 14 Tage abwarten und dann möglicherweise konkret eine solche Entscheidung treffen", sagte Walter Döllinger, Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium. Es gelte der Grundsatz: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Soweit Familienangehörige im engsten Umfeld erkrankt sind, sollten Schüler und Lehrer ebenfalls nicht zur Schule gehen. Reisebeschränkungen und die Trennung von gesunden und kranken Urlaubern bei der Rückreise aus Spanien sind indes nicht geplant.
Die Ärzte fürchten, dass Impfwillige ihre Praxen stürmen, wenn Ende September der Impfstoff gegen die Schweinegrippe vorhanden ist. "Es ist erforderlich, öffentlich klarzumachen, wem im Herbst eine Impfung zusteht", sagte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, unserer Zeitung: "Ärzte können Patienten nur schwer zurückschicken, die in die Praxen kommen und den Grippeschutz verlangen." Daher müsse möglichst bald eine Informationskampagne beginnen.
In Deutschland wird nach einem Stufenplan geimpft. Ab Ende September soll der Schutz für 25 Millionen Bürger zur Verfügung stehen. Als erstes sind Beschäftigte im Gesundheitswesen, Polizisten und Feuerwehrleute an der Reihe. Zur Gruppe, die als erste den Schutz erhält, zählen auch Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Leber-Erkrankungen, HIV und Fettsucht sowie Asthmatiker. Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums leben in Deutschland etwa 20 Millionen chronisch Kranke. Mit der Entscheidung, diese Menschen zuerst zu impfen, hält sich Deutschland an die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO). Bei Menschen mit Vorerkrankungen nimmt die Grippe häufig einen besonders schweren Verlauf.
Falls nach der ersten Impfwelle die gesamte Bevölkerung den Schutz erhalten soll, erwägt Nordrhein-Westfalen, Impfungen am Rande von Fußballspielen anzubieten. Ende August wird die Bundesregierung darüber entscheiden, ob für alle Bürger Impfdosen bestellt werden. Nach WHO-Empfehlungen würden dann im Winter zunächst alle Menschen zwischen 15 und 49 Jahren den Schutz erhalten, danach Kinder unter 15 und dann Bürger über 49 Jahre. Die meisten schweren Erkrankungen sind bisher bei Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren aufgetreten.
Die Europäische Union erwartet im Herbst einen deutlichen Anstieg der Schweinegrippefälle. Die Zahl der Erkrankungen werde von jetzt rund 24.000 auf mindestens eine Million steigen, sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Europäischen Parlament, Jo Leinen, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" . Auch mit einer Zunahme der Zahl der Todesfälle werde gerechnet.
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