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NSU-Prozess
Beate Zschäpe will umfassend aussagen

NSU-Prozess: Beate Zschäpe will aussagen
Nach zweieinhalb Jahren Schweigen vor Gericht will Beate Zschäpe jetzt aussagen. FOTO: dpa, geb pil fdt sja
München. Zweieinhalb Jahre und mehr als 240 Verhandlungstage lang hat Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess, vor dem Oberlandesgericht München geschwiegen. Am Mittwoch will sie ihr Schweigen brechen. 

Im NSU-Prozess will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Mittwoch nach Angaben der Kanzlei ihres Verteidigers Mathias Grasel ihr Schweigen brechen und umfassend aussagen. Entsprechende Berichte von "Spiegel Online" und der "Bild"-Zeitung bestätigte am Montag der Anwalt Hermann Borchert aus der Grasel-Kanzlei der Deutschen Presse-Agentur in München.

Laut "Spiegel Online" steht bereits seit Wochen fest, dass Beate Zschäpe aussagen wird. Auch die Richter hätten darüber Bescheid gewusst. Den Zeitpunkt ihrer Aussage hatte Zschäpe so lange wie möglich geheim halten wollen - wohl auch, damit Angehörige der NSU-Opfer nicht hierfür zum Prozess nach München anreisen. Vor Gericht wird sie aber wahrscheinlich nicht selbst sprechen. Stattdessen wird ihr neuer Verteidiger Mathias Grasel die Aussage verlesen.

Zschäpes Altverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm waren in ihre Pläne offenbar nicht eingeweiht gewesen. Sie hatten Zschäpes Schweigen für die beste Verteidungsstrategie gehalten. Erst durch Mathias Grasel und den im Hintergrund arbeitenden Strafverteidiger Hermann Borchert habe sie letztlich die Unterstützung bekommen, ihre Aussage in Angriff zu nehmen.

Bereits im März 2015 hatte Beate Zschäpe einem psychatrischen Gutachter erklärt, dass sie unter dem Schweigen vor Gericht leide. Ihre Altverteidiger Heer, Stahl und Sturm hatten aber bekundet, das Mandat niederzulegen, wenn sie nicht mehr an der Strategie des Schweigens festhielte. Das habe Zschäpe dem vorsitzenden Richter Manfred Götzl im Juni in einem Brief mitgeteilt, in dem sie auch ihren Wunsch bekundet habe, vor Gericht auszusagen. Im Juli hatte Zschäpe mit Mathias Grasel dann einen neuen, vierten Pflichtverteidiger bekommen. 

Mögliche Sicherungsverwahrung umgehen

Es bleibt abzuwarten, ob nach Beate Zschäpes Aussage neue Zeugenbefragungen nötig werden. Prozessbeteiligte waren bisher davon ausgegangen, dass im Frühjahr 2016 ein Urteil fallen könnte. Der Prozess läuft bereits seit Mai 2013. Die Aussage von Beate Zschäpe könnte jetzt bedeutsame Aufschlüsse geben: Nur Zschäpe kann Einblicke in die mutmaßliche Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) geben - und über die Zeit nach dem Januar 1998, in der sie mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos 14 Jahre lang untergetaucht war. Böhnhard und Mundlos haben sich 2011 in einem Wohnmobil erschossen, Zschäpe ist die wohl einzige Überlebende des NSU. 

Im November 2011 hatte sie sich der Polizei gestellt und gesagt, dass sie sich nicht gestellt habe, um dann keine Aussage zu machen. Dies will Zschäpe jetzt offenbar in die Tat umsetzen. Mit einer glaubwürdigen und umfassenden Aussage könnte sie dafür kämpfen wollen, dass zur drohenden lebenslangen Freiheitsstrafe nicht noch die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird, die eine anschließende Sicherungsverwahrung bedeuten würde. 

(jf, dpa)
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