| 12.24 Uhr

NSU-Ausschuss in Stuttgart
Das Rätsel vom Ku Klux Klan in Schwäbisch Hall

NSU und Michèle Kiesewetter: Das Rätsel vom Ku Klux Klan
FOTO: dpa
Düsseldorf. Der Fall klingt wie die paranoide Theorie eines Verschwörungstheoretikers. Der NSU-Ausschuss im Stuttgarter Landtag befasst sich dennoch mit den Verbindungen zweier Polizisten mit dem rassistischen Ku Klux Klan und dem Mord an Michèle Kiesewetter.

Es klingt abenteuerlich, ist aber Ausgangspunkt der Beratungen im Stuttgarter Ausschuss, der sich ab diesem Montag mit den Untaten des NSU befasst: Zwei Beamte sollen Rede und Antwort stehen über ihr Engagement in einem Ableger des Ku Klux Klan in Schwäbisch Hall. Der Name des Geheimbundes im beschaulichen Baden-Württemberg lautete "European White Nights of the Ku-Klux-Klan" (EWK KKK)".

Was die Sache für den Untersuchungsausschuss erst im Zusammenhang mit dem NSU interessant macht, ist der Karriereverlauf eines Polizisten: Einer der beiden wurde später der Gruppenführer der 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin Michèle Kiesewetter.

Der Ausschuss hat sich nun vorgenommen herauszufunden, was und ob überhaupt der KKK etwas mit diesem Mord zu tun hat. Die Bundesanwaltschaft schreibt die Tat dem NSU zu. Den Rechtsterroristen werden zehn Morde zugerechnet - an neun Migranten und an Kiesewetter.

Der Polizistenmord gibt den Ermittlern aber überwiegend Rätsel auf. Er entspricht nicht dem Muster der anderen Taten, Kiesewetter war kein Ausländer, wurde ohne jede Vorwarnung erschossen, niemand kann bezeugen, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos oder Zschäpe gesehen zu haben.

Somit scheint nach derzeitigem Kenntnisstand in einem der wohl rätselhaftesten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte nichts mehr undenkbar. Auch nicht eine Beteiligung des KKK. Ermittler sehen dafür keine Anhaltspunkte.

Doch Verbindungslinien lassen sich herstellen, nicht nur über den späteren Gruppenführer Kiesewetters, sondern auch einen dubiosen V-Mann namens "Corelli", der für den Landesverfassungsschutz in der rechten Szene spitzelte und zeitgleich im Ku Klux Klan aktiv gewesen sein soll.

Dem NSU-Ausschuss weiterhelfen kann der V-Mann freilich nicht mehr. Er wurde 2014 überraschend tot aufgefunden. Laut Gutachten starb er wegen einer unerkannten Diabetes-Erkrankung.

Somit steht der Ausschuss vor einer Reihe von schwer zu beantwortenden Fragen. Wie um alles in der Welt bildet sich ein Ableger des rassistischen Geheimbundes in Deutschland und was treibt Polizeibeamte auch noch an, diesem beizutreten? Die Stuttgarter Nachrichten spekulierten unlängst gar über eine weit größere Zahl von Polizisten mit ausgeprägtem Interesse am KKK.

Der Ausschuss will daher klären, wie groß das KKK-Nest im Staatsapparat tatsächlich war, welche Strukturen es herausgebildet hatte und ob die Verbindungen zum NSU rein zufällig oder aber tiefergehender Natur waren. Bisher heißt es offiziell, dass sich der Geheimbund 2000 gründete und spätestens Anfang 2003 wieder auflöste.

Antworten erhofft sich der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler nun von einem ehemaligen Clan-Mitglied, das im Sitzungszimmer in Stuttgart aussagen soll. Zudem soll der Mann befragt werden, der angeblich im Oktober 2000 den Ableger des Geheimbundes gegründet haben soll: Achim S. steht allerdings nur eingeschränkt zur Verfügung. Er befindet sich derzeit in einem Einbürgerungsverfahren in den USA, berichtet die Heilbronner Stimme. Er soll daher per Videoschalte aus der deutschen Botschaft befragt werden.

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