Nach Amoklauf-Warnung: Offenburger Schüler schoss sich in den Kopf
zuletzt aktualisiert: 06.12.2006 - 15:03Stuttgart (RPO). Der 18-jährige Offenburger Schüler, der im Internet für den Nikolaustag einen Amoklauf in seiner Schule angekündigt haben soll, ist tot. Die Polizei fand seine Leiche in der Nähe seines Elternhauses. Ersten Ermittlungen zufolge hat er sich selbst mit einem Kopfschuss getötet.
Der Schüler war nach Polizeiangaben schon seit Tagen untergetaucht. Der 18-Jährige soll vor einigen Tagen anonym im Internet mit einem Amoklauf auf seine Schule gedroht haben.
Zwar ist bislang noch nicht wirklich geklärt, der tote Gymnasiast tatsächlich der anonyme Chatroom-Nutzer war, dessen Drohungen die Schulen in Baden-Württemberg in Alarmbereitschaft versetzt hatten. Allerdings war der Gymnasiast seit Montag verschwunden gewesen. In seinem Elternhaus in Meißenheim-Ichenheim wurde eine aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Pistole samt Magazin vermisst.
Laut Polizei galt der junge Mann ebenso wie die Amokläufer von Erfurt und Emsdetten als kontaktscheu, einzelgängerisch und introvertiert. Behörden, Bürger, Schüler und Eltern waren am Mittwoch in größter Sorge.
Schließlich wurde in der Nähe des Elternhauses die Leiche des 18-jährigen gefunden. Die Polizei geht von Suizid aus: "Die Auffindesituation spricht für einen Freitod", sagte ein Polizeisprecher. Der Heranwachsende habe sich offenbar durch einen Schuss in den Kopf getötet.
Die Polizei untersuchte den Computers des toten Schülers und fand dabei keine Hinweise dafür, dass er so genannte "Ballerspiele" auf dem Rechner hatte. Der junge Mann verfügte aber über Software, die ein Einwählen und damit ein Spielen im Internet ermöglicht. Landespolizei-Präsident Erwin Hetger betonte, dass das persönliche Umfeld des Toten untersucht werde.
Schulen in Alarmzustand
Wegen der potenziell bedrohlichen Situation waren am Mittwoch die Schule des gesuchten 18-Jährigen, das Technische Gymnasium in Offenburg, und dessen Mitschüler eingehend durchsucht worden. Auch die Realschule in Neuried-Ichenheim, auf die der Schüler früher gegangen war, wurde nach verdächtigem Material durchkämmt. Beide Lehranstalten schlossen für den Rest des Tages. Das Karlsruher Fichte-Gymnasium öffnete am Mittwoch vorsorglich erst gar nicht.
Die Fahndung nach dem 18-Jährigen war bis zum frühen Nachmittag erfolglos geblieben, obgleich sich neben der Polizei auch Sonder- und Mobile Einsatzkommandos sowie die Bereitschaftspolizei daran beteiligt hatten.
Der Stuttgarter Innenminister Heribert Rech hatte zuvor an Eltern, Lehrer und Schüler appelliert, trotz des Hinweises auf einen möglichen Amoklauf Ruhe zu bewahren und den Maßnahmen der Behörden zu vertrauen. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger sprach sich unter dem Eindruck der Ereignisse für ein striktes Verbot aller Killerspiele auf Computern aus.
Anrufe besorgter Eltern
Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau hatte bereits am Dienstagabend alle Schulen des Landes in Alarmbereitschaft versetzt, weil eine anonyme Person gegenüber zwei 14 und 15 Jahre alten rheinland-pfälzischen Schülern im Internet davon gesprochen hatte, sie wolle am Nikolaustag an ihrer Schule in Baden-Württemberg Amok laufen. Auf Nachfrage habe die Person erklärt, dies sei ihr voller Ernst. Rau ordnete daraufhin verstärkte Streifenfahrten in der Umgebung von Schulen und andere Vorsichtsmaßnahmen an.
Der Kultusminister verteidigte am Mittwochmorgen die von ihm öffentlich angeordnete Alarmbereitschaft. Die Polizei in Stuttgart registrierte besorgte Anrufe von Eltern, die fragten, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken sollten.
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