Ex-Football-Star angeklagt: O.J. Simpson kommt gegen Kaution frei
zuletzt aktualisiert: 19.09.2007 - 18:45Las Vegas (RPO). Gegen den früheren US-Football-Star O.J. Simpson ist wegen seiner angeblichen Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall in Las Vegas Anklage erhoben worden. Bei einer ersten Anhörung entschied der Richter am Mittwochmorgen, dass Simpson gegen eine Kaution von 125.000 Dollar auf freien Fuß kommt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Simpson unter anderem Kidnapping und Raub unter Anwendung von Waffengewalt, Körperverletzung sowie mehrere weitere Straftaten vor. Der 60-Jährige, der in Handschellen und dunkler Gefängniskleidung im Gerichtssal erschien, muss darüber hinaus laut Branchendienst "TMZ" seinen Pass hinterlegen und darf keinen Kontakt zu Zeugen, mutmaßlichen Opfern und Mitangeklagten in dem Fall aufnehmen.
Für Simpsons Anwalt Yale Galanter war die Anhörung ein Erfolg. Er hatte bereits im Vorfeld betont, das oberste Ziel sei es zunächst, dass sein Mandant frei komme. Auch gab Galanter sich zuversichtlich, dass Simpson von schwerwiegenden Anklagepunkten wieder befreit werde. Dagegen berichteten US-Medien, bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten könne Simpson sogar lebenslange Haft drohen.
Neben dem 60-Jährigen waren am Dienstag auch drei weitere mutmaßliche Tatverdächtige von der Staatsanwaltschaft wegen der gleichen Vorwürfe angeklagt worden. Simpson soll mit Komplizen versucht haben, unter Waffengewalt aus einem Casino-Hotel in Las Vegas Sport-Memorabilien zu stehlen.
Der einstige Footballstar hatte dagegen behauptet, die Gegenstände gehörten ihm. Er habe sich sein rechtmäßiges Eigentum lediglich mit ein paar Freunden, von denen sich einer als möglicher Käufer ausgegeben habe, zurückholen wollen. Sie hätten ihm geholfen, die Gegenstände - darunter Gedenktafeln, Bälle und ein Mobiltelefon - aus dem Hotelzimmer zu bringen. Waffen seien nicht beteiligt gewesen, und es handle sich auch nicht um einen Raub, so Simpson.
Nach Angaben der Polizei hatten die Verdächtigen dagegen mindestens zwei Pistolen bei sich. Damit sollen sie die beiden Händler der Memorabilien bedroht haben. Ein anderer Händler solcher Gegenstände, der das Treffen für Simpson in die Wege geleitet haben soll, sagte laut CNN in einem Interview mit Talkmaster Larry King, er sei schockiert gewesen, als dieser in dem Hotel mit acht Begleitern aufgetaucht sei.
Eine wichtige Rolle dürfte für den weiteren Verlauf des Verfahrens eine Tonbandaufnahme dieses Händlers spielen, die er während des Vorfalls angefertigt hatte. Darauf soll Simpson zu hören sein, wie er harsch Befehle erteilt, flucht und immer wieder eine Person beschuldigt, ihn bestohlen zu haben.
Bei der nur zehnminütigen Anhörung am Mittwoch sagte Simpson laut "TMZ" wenig, gab nur seinen Wohnort an und antwortete mit "Ja" auf die Frage, ob er die Anklagepunkte kenne und sie verstanden habe. Neben seinen beiden Anwälten sollen auch Simpsons Freundin, seine Schwester und seine Tochter im Gerichtssaal gewesen sein. Sein Anwalt gab an, dass sein Mandant in den nächsten Tagen nach Hause nach Florida reisen werde. Ein nächster Anhörungstermin wurde auf den 22. Oktober festgelegt.
Unterdessen wurde bekannt, dass eines der beiden mutmaßlichen Raubopfer mit einem schweren Herzanfall in eine Klinik eingeliefert worden sein soll. Der 53-Jährige befinde sich auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus in Los Angeles, hieß es.
Simpson war 1995 vom Vorwurf des Mordes an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ron Goldman von einem Geschworenengericht freigesprochen worden. Vor einem Zivilgericht war er später jedoch schuldig gesprochen und zu Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt worden.
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