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Nach der Hetzjagd von Mügeln: Opfer kritisieren Polizeiarbeit

zuletzt aktualisiert: 23.08.2007 - 14:49

Berlin (RPO). Nach der Hetzjagd von Mügeln haben die Opfer die Arbeit der Polizei kritisiert. Sie hätten auf dem Revier stundenlang auf medizinische Versorgung warten müssen. Die Beamten hätten sich nicht ausreichend um die Verletzten gekümmert.

Kulvir Singh, der Besitzer des Restaurants, in das die acht Inder sich vor den Angreifern geflüchtet hatten, sagte am Donnerstag in Döbeln, er habe mit seinen Freunden sechs bis acht Stunden auf dem Revier in Oschatz gesessen, ohne dass ihnen medizinische Hilfe angeboten worden sei. "Niemand hat uns gefragt, ob wir Schmerzen haben oder ob jemand von uns ins Krankenhaus möchte." Singh wurde bei der Hetzjagd ebenso verletzt wie die anderen sieben Inder.

Singh, der seit 17 Jahren in Deutschland lebt, wies Spekulationen von Seiten der Ermittler zurück, die Gewalt sei an dem Abend nicht nur von den Deutschen, sondern auch von ihm oder seinen Freunden ausgegangen. Er wehrte sich gegen die Darstellung, es habe sich in der Nacht zunächst um eine "normale Bierzeltschlägerei" gehandelt. "Wir haben dort friedlich getanzt", sagte er. Und dies habe offenbar einigen auf dem Festzelt nicht gepasst. Als die Situation sich dann zugespitzt habe, habe er mit seinen Freunden das Zelt verlassen. Am Ausgang habe dann die Gruppe Deutscher auf sie gewartet.

Die Betreuerin der acht Inder, Grit Armonies, sagte dem Nachrichtensender N24: "Den Menschen geht es nicht gut, es geht ihnen richtig schlecht." Am Mittwoch habe sie die Männer zur Zeugenvernehmung bei der Polizei begleitet. "Sie können nicht schlafen, sie wechseln sich ab, halten gegenseitig Wache, und sie haben einfach Angst", sagte Armonies, die Projektkoordinatorin der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) Leipzig ist. Nach ihren Informationen wollen sie "aber hier in Mügeln bleiben".

Auf einem Stadtfest waren in der Nacht zum vergangenen Sonntag acht Inder von etwa 50 Deutschen angegriffen und über den Marktplatz gejagt worden. Insgesamt 14 Menschen wurden verletzt.

Ministerpräsident plant Konferenz gegen Rechts

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) kündigte für November eine Konferenz mit Vertretern aus den sächsischen Kommunen an, auf der über Rechtsextremismus beraten werden soll. Der Bundesvorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, kritisierte, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus sich zu oft auf Empörungskampagnen beschränke. Die Wurzeln von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus lägen tiefer und könnten nur durch mehr Zivilcourage bekämpft werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Landkreis Torgau-Oschatz, in dem Mügeln liegt, im April bei der Bundesregierung einen Antrag auf Fördergelder im Kampf gegen Rechts beantragt hatte, dieser aber abgelehnt worden war. "Wir wissen, dass es eine mobile, gewaltbereite rechte Szene im Landkreis gibt", sagte der Sozialdezernent des Landkreises, Hans-Günter Sirrenberg. Seine Behörde habe am 25. April aus Berlin die endgültige Ablehnung des Fördergeldantrages erhalten.

Ministerpräsident Milbradt warnte erneut vor einem vorschnellen Urteil im Fall Mügeln. Ob es rechtsextreme Motive gäbe, müsse noch ermittelt werden: "Der Tathergang dieser erschreckenden Gewaltexplosion ist noch völlig unklar."

Quelle: ap

 
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