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Nach tödlicher Attacke an S-Bahnhof: Opfer soll Orden bekommen

zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 17:10

Berlin (RPO). Nach der tödlichen Attacke an einem Münchner S-Bahnhof fordert der frühere Bundesminister Carl-Dieter Spranger einen Orden für das Opfer. Der Mann wollte vier Kinder vor einem Überfall schützen und wurde zu Tode geprügelt. Berlins Ex-Senator Rupert Scholz (CDU) kritisierte eine "unsägliche Kultur des Wegschauens".

Am S-Bahnhof Solln liegen Blumen und Kerzen für das Opfer.  Foto: ddp, ddp
Am S-Bahnhof Solln liegen Blumen und Kerzen für das Opfer. Foto: ddp, ddp

Die S-Bahn-Attacke hat eine Debatte über Werteverfall und Zivilcourage ausgelöst. Der frühere Bundesminister Carl-Dieter Spranger (CSU) plädierte in der "Bild"-Zeitung vom Dienstag für eine posthume Ordensverleihung an das Opfer, das ein Zeichen gegen den "Verfall des Wertebewusstseins" gesetzt habe. Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt schloss sich der Forderung an und nannte das Opfer "ein Vorbild".

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelten Geschäftsmann als einen "wirklichen Helden". Der 50-Jährige habe "Courage gezeigt, das ist vorbildhaft. Umso tragischer ist es, dass er durch die Schläge ums Leben gekommen ist", sagte Steinmeier gegenüber den jungen Hörfunkwellen der ARD.

Spranger empfahl Bundespräsident Horst Köhler, dem Opfer posthum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Der Mann habe "mit seinem beherzten Einschreiten ein Zeichen für Zivilcourage gesetzt", begründete der frühere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit seinen Vorschlag. Das Opfer habe "Mut und Verantwortung gezeigt, wo Eltern mit schwersten Erziehungsfehlern versagt haben". Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wendt, sagte bild.de, der Getötete habe "ein beeindruckendes Beispiel von Zivilcourage bewiesen und musste dafür mit seinem Leben bezahlen".

Ein Jahr Haft für unterlassene Hilfeleistung

Berlins Ex-Justizsenator Rupert Scholz (CDU) übte derweil scharfe Kritik an einer "unsäglichen Kultur des Wegschauens in Deutschland". In der "Bild"-Zeitung sprach er sich für ein schärferes Vorgehen gegen Gaffer aus. Wer bei gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leiste, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten sei, könne mit bis zu einem Jahr Haft oder Geldstrafe bestraft werden. Die Staatsanwaltschaft müsse prüfen, ob es im Münchner Fall eine strafrechtlich relevante Verantwortung von tatenlos umherstehenden Zeugen und Fahrgästen gebe.

Der 50-jährige Geschäftsmann hatte sich am Samstag schützend um eine Gruppe von vier Teenagern im Alter von 13 bis 15 Jahren gekümmert, nachdem drei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren diese um Geld erpressen wollten. Zwei dieser Jugendlichen waren dem Mann und den Teenagern mit der S-Bahn bis zum Münchner Bahnhof Solln gefolgt, wo sie den Mann brutal zusammenschlugen.

Der Deutsche Richterbund (DRB) beklagte, Urteile gegen junge Straftäter würden zu schleppend vollstreckt und verfehlten so ihre "Warnschussfunktion". Die gesetzlichen Möglichkeiten seien absolut ausreichend, sagte der DRB-Vorsitzende Christoph Frank der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Dienstag. "Sanktionen gegen Jugendliche sind aber oftmals schwer zu vollstrecken, weil es der Justiz an Arrestplätzen und in den Kommunen an Erziehungsangeboten für junge Straftäter fehlt." In der "Rheinischen Post" vom Dienstag sprach sich Frank zudem für mehr Polizeipräsenz und zusätzliche Überwachungskameras aus.

Steinmeier unterstützte die Forderung nach stärkerer Polizeipräsenz, die "dringend erforderlich" sei. Eine Verschärfung des Jugendstrafrechts lehnte er ebenfalls ab. "Das Strafrecht muss in seiner vollen Härte angewendet werden. Der Ruf nach einer Verschärfung ist schnell bei der Hand, hilft aber nicht."

Quelle: AFP/awei

 
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