Umstrittenes niederländisches TV-Format: Organspender-Show: Heute wird sie ausgestrahlt
zuletzt aktualisiert: 01.06.2007 - 17:34Amsterdam (RPO). "De grote Donor-Show" - die in diesen Tagen am heftigsten diskutierte TV-Show bewegt die Gemüter. Allen Protesten zum Trotz wird die Sendung am Freitag Abend tatsächlich ausgestrahlt. "BNN hat genug vom Reden, es ist Zeit zum Handeln", hieß es auf der Website des Senders.
In der Show werde eine todkranke Frau entscheiden, wer von drei Kandidaten ihre Niere bekommt, erklärte BNN weiter. "Das ist nicht grausig, das ist das wirkliche Leben. Jedes Jahr sterben hunderte Menschen, weil es nicht genug Spender gibt." Auch BNN-Gründer Bart de Graaff starb, nachdem er jahrelang vergeblich auf eine Spenderniere gewartet hatte.
Die Show
Im Mittelpunkt der Show, die am Freitagabend gesendet werden soll, steht eine todkranke Frau, die unter dem Namen Lisa auftritt. Die 37-Jährige leidet an einem unheilbaren Hirntumor und möchte ihre Niere spenden. In der Sendung treten drei Schwerkranke gegeneinander an und buhlen um Lisas Gunst - und die der Zuschauer, die per SMS abstimmen können, wer das Spenderorgan bekommen soll.
Die Operation soll vor Lisas Tod erfolgen. Denn darüber, wer Organe von Verstorbenen enthält, entscheidet in den Niederlanden wie auch in Deutschland nicht der Spender selbst, sondern die Organisation Eurotransplant. In Deutschland ist eine Lebendspende nur dann erlaubt, wenn Spender und Empfänger eng verwandt sind. In den Niederlanden sind die gesetzlichen Bestimmungen lockerer.
Der Sender ist schon früher durch ungewöhnliche Formate aufgefallen, zum Beispiel strahlte er im vergangenen Jahr eine Reihe über junge Menschen mit tödlichen Erkrankungen aus. Auch eine Sendung, bei der Menschen über ihre Sexgewohnheiten befragt wurden war bereits zu sehen. Ebenso ein Format, bei dem Kandidaten diverse Drogen ausprobierten oder Teenager in einen Sexkurs gesteckt wurden.
Die Proteste
Die niederländische Ärzteschaft distanzierte sich am Freitag von der Ausstrahlung. Das Leiden der Menschen dürfe niemals Gegenstand einer Unterhaltungssendung sein, erklärte der Ärzteverband KNMG. Eine über eine Fernsehsendung entschiedene Transplantation drohe schon aufgrund der "medizinischen, juristischen und ethischen Probleme" zu scheitern. Darüber, wer operiert werde, müssten Mediziner entscheiden und nicht die Produzenten des Senders BNN.
Der Proteststurm beschränkt sich nicht auf die Niederlande. Auch in Deutschland hat die Show scharfe Kritik ausgelöst. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verurteilte die Show als "widerlich". Sie habe kein Verständnis dafür, die Organspende der TV-Unterhaltung preis zu geben, sagte sie dem "Berliner Tagesspiegel". Den Machern der Show ist das egal. Sie nutzen den Skandal, um Öffentlichkeit für ihre Zwecke zu bekommen. Nach Darstellung des Senders ist die Organspende-Situation in den Niederlanden katastrophal.
Die Operation
Derweil wachsen in den Niederlanden wachsen die Zweifel daran, ob sich überhaupt eine Klinik findet, die die gewonnene Niere transplantiert. Die niederländische Transplantationsstiftung erklärte, keine ihrer neun Spezialkliniken werde die Operation zur Transplantation der Niere der 37-jährigen Frau vornehmen.
Der niederländische Ärzteverband KNMG zeigt sich skeptisch: "Wir glauben nicht, dass es wirklich eine Transplantation geben wird", so ein Sprecher. Zum einen seien die Konsequenzen etwa für die ja selbst todkranke Spenderin nicht gut genug geprüft worden. Zum anderen verwies er auf die Risiken der medizinischen Verträglichkeit zwischen Spenderin und den zur Auswahl angebotenen Empfänger-Kandidaten.
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