Winterlicher Sturm zieht über Deutschland: Orkan Joachim bringt Regen, Schnee und Stau
zuletzt aktualisiert: 16.12.2011 - 16:06Offenbach (RPO). Das Sturmtief "Joachim" hat mit Windgeschwindigkeiten bis Tempo 130, Regen und Schnee zum Teil erhebliche Schäden angerichtet. Bäume knicken um, der Bahnverkehr ist im Süden Deutschlands gestört, Straßen stehen unter Wasser. In NRW war die Autobahn 4 teilweise gesperrt.
Von NRW bis nach Sachsen werden am Freitag zum Teil starke Schneefälle mit Schneeverwehungen erwartet. Orkantief "Joachim" bringt auch kühlere Temperaturen. Teile der A 4 musste vorrübergehend gesperrt werden. Mehrere Lkw fuhren sich zwischen Wenden und Krombach fest oder standen quer, wie die Polizei mitteilte. Auf der A 45 gab es mehrere Unfälle mit Blechschäden. Wer könne, solle die Autobahnen meiden, empfahl ein Polizeisprecher. Noch am Nachmittag war der Strecke Köln Richtung Aachen zwischen Kreuz Köln-West und Kreuz Kerpen die rechte Fahrbahn gesperrt.
In Süd- und Mitteldeutschland waren zahlreiche Straßen zeitweise nicht passierbar. Auf der A 71 in Thüringen verursachten liegen gebliebene Lkw kilometerlange Staus. In Rheinland-Pfalz musste die A 61 vorübergehend gesperrt werden. Im Süden des Bundeslandes brachte der Orkan den regionalen Bahnverkehr zum Erliegen. Viele Strecken wurden gesperrt. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn war nach Angaben eines Sprechers hingegen kaum beeinträchtigt.
Köln Richtung Aachen zwischen Kreuz Köln-West und Kreuz Kerpen
Vom Sauerland bis zum Fichtelgebirge seien bis zu 25 Zentimeter Schnee zu erwarten, sagte Meteorologin Dorothea Petzold vom Deutschen Wetterdienst. "In den Mittelgebirgen in
Mitteldeutschland
bekommen wir einen richtigen Wintereinbruch", fügte Petzold hinzu. Lediglich der Norden bleibe von den Unwettern voraussichtlich ausgenommen.
Auch im Harz wurden wegen der Schneemenge erste Straßen gesperrt. Auf dem Brocken war laut DWD mit Orkanböen von mehr als 120 Stundenkilometern zu rechnen. Das Hotel auf dem 1.141 Meter hohen Brocken ist verwaist. Wegen des Orkantiefs und drohender Schneeverwehungen sollten am Freitag etwa ein Dutzend Tagungsteilnehmer, die sich in dem Hotel auf dem Harzgipfel getroffen hatten, nach Schierke gebracht werden. Das Haus, in dem mehr als 30 Gäste beherbergt werden können, sei dann menschenleer.
Im Nordwesten Baden-Württembergs entwurzelte der Sturm Bäume und riss Bauzäune um. In Karlsruhe stürzte ein Baum vor einer Grundschule um und streifte mit den Ästen ein siebenjähriges Mädchen. In Friedrichshafen wurden aufgrund der Orkanwarnung vorsorglich der Weihnachts- und der Wochenmarkt abgesagt.
Wegen einer Unwetterwarnung ist in
München
das Tollwood-Winterfestival auf der Theresienwiese am Freitag geschlossen geblieben. Diese Maßnahme sei zur Sicherheit der Besucher erforderlich, teilten die Veranstalter mit.
Mehr als 45.000 Kindern hat das Orkantief in Südhessen einen schulfreien Nachmittag beschert. Aus Sorge vor dem Unwetter wurde ab 11 Uhr der Unterricht in allen 122 staatlichen Schulen in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg abgesagt, wie der kommissarische Leiter des zuständigen Schulamts, Ralph von Kymmel, am Freitag sagte. Der Deutsche Wetterdienst habe dringend empfohlen, die Schüler nach Hause gehen zu lassen, bevor das Orkantief am Mittag die Region erreiche. Auch die Nahverkehrsunternehmen wurden benachrichtigt, um sich auf den früheren Schulschluss vorzubereiten.
In Frankreich läuft Schiff auf Grund
Vor der Bretagne strandete der 109 Meter lange Frachter "TK Bremen" (Malta-Flagge) mit 19 Mann an Bord. Ein Hubschrauber rettete gegen 03.00 Uhr die Männer von Bord, wie der Préfet Maritime in Brest berichtete. Bei rund 400.000 Haushalten im Westen des Landes fiel der Strom aus. Zahlreiche Bäume stürzten um und behinderten den Autoverkehr.
Der Bahnverkehr sei ebenfalls stark gestört, hieß es. Auf der Strecke Angers-Nantes fiel ein Silo auf die Gleise. Ein gutes Dutzend Züge auf der Strecke Paris- Orléans-Tours fiel aus. In der Vendée wurde ein Haus mit 48 Bewohnern geräumt, weil es unter dem Meeresspiegel liegt und eine Überflutung der Düne befürchtet wurde.
Starke Regenfälle störten am Morgen bereits den Verkehr am Flughafen Charles de Gaulle nördlich von Paris.
So wird es am Wochenende in Deutschland
In der Nacht zum Samstag erfasst das Sturmtief dann den Südosten Deutschlands.
Von Nordwesten und Westen her flaut der Wind nur allmählich ab. Der Regen geht häufig in Schnee oder Schneeregen über.
Am Samstag ist es überwiegend bewölkt und es gibt Schauer, die teilweise bis ins Flachland als Schnee fallen können. Im Westen und Norden können auch zeitweise Gewitter auftreten. Die Temperaturen steigen auf zwei bis sechs Grad. In den Bergen muss weiterhin mit Sturmböen und orkanartigen Böen gerechnet werden, im Tagesverlauf schwächt sich der Wind ab.
Am Sonntag überwiegen Schneeregen- oder Schneeschauer, in mittleren und höheren Lagen fällt durchweg Schnee. Es sind Höchsttemperaturen zwischen null und fünf Grad zu erwarten. Nur in höheren Berglagen und an der Küste muss noch mit Sturmböen gerechnet werden.
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