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Orks und Imperatoren in Diemelstadt
4500 Larp-Spieler kämpfen um die Herrschaft

Larp-Festival in Diemelstadt: Orks und Imperatoren kämpfen um die Macht
Larp-Festival in Diemelstadt: Orks und Imperatoren kämpfen um die Macht FOTO: dpa, rho
Diemelstadt . Live-Rollenspiel-Fans galten lange als nerdig und schräg. Bei Deutschlands größtem Live-Rollenspiel-Festival, dem Drachenfest im hessischen Diemelstadt statt, kämpfen nun 4500 Spieler um die Herrschaft in einer Fantasiewelt.

Geschäftiges Treiben auf der Hauptstraße der Handelsstadt Aldradach. Es wird gefeilscht, gelacht. Plötzlich verstummen alle und springen zur Seite. Eine Truppe Orks bahnt sich ohne Rücksicht den Weg durch die Gasse, mit Schwertern, Fahnen und lautem Gebrüll. Wilde, dunkle Kreaturen mit scharfen Zähnen. "Alter Schwede. Krass", sagt eine Händlerin leise.

Die Szene entspringt keinem Film, sie geschieht beim Drachenfest im nordhessischen Diemelstadt. Das ist eines der größten Live-Rollenspiel-Festivals in Deutschland. "Live Action Role Playing", kurz Larp, nennt sich das Spektakel. Bis Sonntag noch wird hier ein rund 40 Hektar großes Areal zur Fantasiewelt mit Mittelalterbezug. Seit Mittwoch und bis Samstag wird um die Herrschaft gespielt - und gekämpft. Die rund 4500 Teilnehmer kommen aus Europa, Amerika oder Australien. Orks kämpfen gegen Elfen oder verschiedene Drachen-Lager untereinander, Gut gegen Böse.

"Die Drachen rufen einmal im Jahr dazu auf, ihre Herrschaft auszufechten. Doch sie kämpfen nicht selber, sie lassen kämpfen", sagt Andreas Megens. Er gehört zu den Spielleitern und zum Organisationsteam. Die Lager müssen Bündnisse schmieden, um zu gewinnen. "Der Sieger steht Samstagabend fest. Das letzte Banner auf dem Platz der großen Schlacht gewinnt", sagt der 35-Jährige.

Keine Handys, kein Strom

Andere Spielleiter agieren als eine Art Schiedsrichter, damit sich die Kampfwütigen nicht allzu sehr aufmischen. Bei Verletzungen steht ein Notarzt bereit.

Die Gewandungen, wie es heißt, nähen sich die Teilnehmer oft selbst, Waffen und andere Requisiten können auch in der Handelsstadt Aldradach gekauft werden. Es gibt keine Handys, keinen Strom, geschlafen wird in Zelten, Essen wird über dem Feuer zubereitet, Licht am Abend spenden Kerzen und Laternen - die Spieler leben fast eine Woche lang wie im Mittelalter.

Unter ihnen ist auch Pyriander, der Imperator des kupfernen Drachen. Dieser Drache steht für den Aspekt Herrschaft, andere zum Beispiel für Treue, Blutdurst, Weisheit, Magie, Freiheit oder Natur.

Pyriander heißt eigentlich Stephan Jacob, ist 34 Jahre alt, aus Fulda und Videospiel-Entwickler. Den Titel Imperator hat er sich selbst gegeben. "Das ist das spannendste Hobby, das man sich vorstellen kann. Man kann testen, was wäre wenn", sagt der Hüne. "Das hat ganz starke soziale Aspekte." Er ist zum zwölften Mal dabei. "500 Leute aus meiner Facebook-Liste sind hier." Spielleiter Megens sagt: "Vom Studenten über die Sekretärin bis zum Oberstaatsanwalt ist hier alles dabei."

Alexander Jaensch, genannt Betty, ist Spielleiter des Lagers des schwarzen Drachen. Der 30 Jahre alte Sachbearbeiter aus Düsseldorf hat jahrelang selbst mitgespielt. "Irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu spielen, sondern ich wollte lieber organisieren." Er sagt: "Wenn ich das Gelände betrete, vergesse ich die Welt draußen komplett. Die Probleme draußen interessieren mich nicht." Larp habe viele Facetten. "Es ist viel mehr als umziehen und verprügeln."

(felt/dpa)
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