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Gedanken zum Osterfest
Eine Frage des Glaubens

Düsseldorf. Zu Ostern geschieht Unfassbares. Das Fest ist darum auch eine große Zeit für Glaubenszweifler - damals und heute. Von Lothar Schröder

Ostern ist das mit Abstand beste Fest für Glaubenszweifler. Für die Nörgler und Zauderer also, die dieses nicht so recht akzeptieren wollen oder können und jenes für ganz und gar unwahrscheinlich halten. Das Praktische dabei ist: Die biblische Geschichte rund um die Kreuzigung Jesu am Karfreitag und seine Auferstehung von den Toten an Ostern stellt selbst ein prominentes Personal an Verzagten bereit.

Fels der Kirche

Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Petrus, der später immerhin als Fels der Kirche dienen wird. Doch wie verhält er sich in der Stunde größter Not? Dreimal wird er aus Angst und Sorge um die eigene Haut Jesus verleugnen und schließlich die Stätte der Kreuzigung fliehen. Ohnehin findet sich von den Jüngern in der Todesstunde keiner an der Seite Jesu; obgleich sie ihm gefolgt sind. Auch in ihrer Feigheit kommt der nagende Zweifel zum Vorschein. Allein die Frauen von Galiläa harren am Fuß des Kreuzes aus und geben dem qualvoll Sterbenden Beistand.

Petrus wird aber auch danach nicht sonderlich glaubensfester. Als Maria von Magdala vom leeren Grab berichtet, glaubt er ihr zunächst nicht und hält all das für leeres Gerede. Dann beginnt sein würdeloses Wettrennen mit einem anderen Jünger zum Grab, wie es im Evangelium nach Johannes heißt. Plötzlich will jeder der Erste sein, will exklusiver Augenzeuge des Unglaublichen werden. Dass Petrus aber nur Zweiter wird, darf als kleine Pointe dieser Geschichte und als seine gerechte Strafe gelten.

Warum aber gerät besonders zu Ostern unser Glauben derart auf den Prüfstand? Weil Vieles so sonderbar und unglaublich erscheint. Kein menschlicher Verstand scheint sich so etwas ausdenken zu können; und darum wird das Meiste nach menschlichem Ermessen unbegreiflich. Wir suchen nach Beweisen, Gleichnissen und Analogien aus unserer Welt. Das alles muss zum Scheitern verurteilt sein. Denn was uns heute und den Jüngern damals als Beleg für die Auferstehung angeboten wird, ist mit dem verlassenen Grab nicht mehr als eine Leerstelle. Faktisch ist es nichts. Und doch soll genau das - die verwaiste Grabstätte - die Grundlage unserer Hoffnung auf Erlösung sein. Die Anforderungen, dies zu glauben, sind durchaus erheblich.

Genau dies aber zielt auf den Charakter des Glaubens. Er ist seinem Wesen nach kein Erkenntnismodell und im Kern weder Lehre noch Theorie. Er ist personell begründet und vollzieht sich allein in der Nachfolge Christi. Man glaubt nicht an irgendeine Idee, sondern an den Allmächtigen, an seinen eingeborenen Sohn und auch an seine Auferstehung, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt.

Echten Zweiflern dürfte das kaum reichen. Viele haben darum weiter nach belastbaren Zeugnissen gesucht - und für sich dann auch gefunden. Natürlich gehören dazu die eifrig gesammelten und lange Zeit verehrten Reliquien. Manchmal reichte schon ein Splitter vom vermeintlichen Kreuz. Dass Reliquien am Ende des Mittelalters zur begehrten und somit lukrativen Handelsware wurden, ist nicht sonderlich überraschend. In einer Zeit, in der die Gottesgesichertheit allmählich schwindet, dienen Reliquien als Kitt für die ersten Glaubensrisse. Auch sie werden zum Ausdruck des Zweifels. Sie dokumentieren aber auch eine gewisse Hilflosigkeit des Menschen, der das Unbegreifliche irgendwie greifbar machen möchte. Wie schon Thomas, der - obgleich er Apostel ist - der Ungläubige genannt wird. Auch er will mit aller menschlichen Macht Beweise für die Auferstehung. Er will sie sehen und fühlen. Da tritt Jesus in den Kreis der Jünger und gewährt ihm diese Überprüfung: Thomas darf seine Finger in die Wunde des Gekreuzigten legen. Der Apostel mag daraus seine Befriedigung ziehen. Doch in Wahrheit ist es seine Niederlage. Für Thomas bleibt es unverständlich, dass sich Glaube nicht durch Leiblichkeit legitimiert.

Zweifeln ist menschlich - und der Unglaube auch nur ein Glaube, wie es der Autor Arnold Stadler sagt. Aber: "Der Glaube an etwas ist viel schöner als der Glaube an nichts."

Quelle: RP
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