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Verbrannter Asylbewerber Oury Jalloh
Oberstaatsanwalt geht von Vertuschungstat durch Polizisten aus

Oury Jalloh: Oberstaatsanwalt geht von Vertuschungstat durch Polizisten aus
Der 23-jährige Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 in Dessau in Gewahrsam genommen worden. Er starb in einer Ausnüchterungszelle. (Archiv) FOTO: dapd, dapd
Halle. Im Fall des Asylbewerbers Oury Jalloh, der vor 13 Jahren in einer Dessauer Zelle ums Leben gekommen ist, deutet sich sich eine überraschende Wende an. Der zuständige Oberstaatsanwalt entwarf ein Szenario, wonach Beamte den Mann absichtlich angezündet haben könnten.

Der Leitende Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann verwirft einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" zufolge in einem Vermerk vom 4. April 2017 nicht nur die Unfall-These, nach der sich Jalloh im Alkoholrausch selbst verbrannt hat. Er entwirft in dem Vermerk auch ein Mordszenario, wonach Beamte den Häftling angezündet haben könnten, um seine Verletzungen zu vertuschen und Ermittlungen zu zwei früheren Todesfällen im Umfeld der Dessauer Polizei zu verhindern.

Der Leitende Oberstaatsanwalt stützt sich dabei auf mehrere Gutachter und einen 2016 unternommenen Brandversuch. Der gefesselte und nahezu handlungsunfähige Mann soll in seinen letzten Atemzügen mit einer kleinen Menge Brandbeschleuniger übergossen und angezündet worden sein.

Der Fall Oury Jalloh beschäftigt die Justiz seit vielen Jahren. Auch nach umfangreichen Ermittlungen und zwei Landgerichtsprozessen ist unklar, wie der an Händen und Füßen gefesselte Mann aus Sierra Leone in der Polizeizelle im Jahr 2005 ums Leben kam. Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft Halle die Ermittlungen eingestellt. Jallohs Familie hatte Beschwerde dagegen eingelegt. Das Landesparlament will sich ebenfalls mit dem Fall und den Ermittlungen befassen.

(csi/dpa/ots)
 
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