Trauermarsch mit 8000 Menschen: Paderborn nimmt Abschied von Kardelen
zuletzt aktualisiert: 16.01.2009 - 20:35Paderborn (RPO). Es waren erschütternde Szenen, die sich am Freitagmittag am Sarg der achtjährigen Kardelen in Paderborn abspielten: Hilflos und von Trauer überwältigt musste die Familie zusehen, wie ihre ermordete Tochter in den Leichenwagen geschoben wurde. Etwa 8000 Menschen beteiligten sich am Trauermarsch durch die Innenstadt.
Noch am selben Tag der Trauerfeier wurde der Sarg des türkischstämmigen Mädchens erst nach Düsseldorf und dann zur Beisetzung in die türkische Heimat ihrer Eltern überführt. "Es sind sehr viele Menschen heute zu uns gekommen, um für Kardelen zu beten. Es ist egal, welchem Kind das geschehen ist, das ist gegen die Menschlichkeit", sagte der Sprecher der Gemeinde, Aydin Cetin.
Bereits wenige Stunden nach der nächtlichen Obduktion gab die Staatsanwaltschaft die Leiche des Mädchens frei, damit sich die Familie nach islamischem Ritus von ihrer Tochter verabschieden konnte. Schon am Morgen war eine große Schar von Trauernden zur Begegnungsstätte der Türkisch-Islamischen Gemeinde (DITIB) Paderborn geströmt.
Viele Menschen weinten
Der Sarg mit der Achtjährigen war bei der Trauerfeier in der Nähe der Wohnung der Eltern auf einen Tisch aufgebahrt worden. Viele Menschen zeigten sich erschüttert und weinten. Ein türkischer Vorbeter hielt eine Ansprache und betete mit den Menschen.
Den Eltern gehe es "den Umständen entsprechend schlecht", sagte Oberstaatsanwalt Ralph Vetter. Die Ermittlungen der auf 50 Beamte aufgestockten "Soko Kardelen" liefen auf Hochtouren. Eine konkrete Spur zeichne sich aber noch nicht ab.
Mitschüler trauern
Tiefe Betroffenheit herrschte auch an der Schule der Achtjährigen. Vor dem Tor sprachen Eltern über ihre Erschütterung, aber auch über ihre Sorge um die eigenen Kinder, solange der Mörder noch nicht gefasst sei. In der Schule wurden die Kinder von Seelsorgern und dem schulpsychologischen Dienst betreut. Sie sollen auch in den kommenden Tagen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Großer Trauerzug am Abend
Rund 5000 Menschen beteiligten sich am Freitagabend an einem Trauerzug für Kardelen durch die Paderborner Innenstadt. Unter den Teilnehmern waren viele Familien, die neben Kerzen auch Fotos der Ermordeten bei sich hatten. Manche verfolgten stumm die Gebete und Ansprache, andere ließen ihren Tränen freien Lauf.
Der Bürgermeister der Stadt Paderborn, Heinz Paus (CDU), sprach auf dem Rathausplatz von einem "Tod, der uns alle ratlos und fassungslos macht. Unsere Gedanken sind bei der Familie und den Eltern". Die Stadt wolle ihnen ihre Anteilnahme, Trauer und tiefes Mitgefühl übermitteln. Er hoffe, dass der Fall rasch gelöst und der Täter gefasst werde.
Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sprachen zusammen mit einem Imam der Türkisch-Islamischen Gemeinschaft Paderborn ein Gebet. Die mitgebrachten Kerzen wurden vor einem Foto des Mädchens abgestellt.
Missbraucht und erstickt
In der Nacht war auch die letzte, verschwindend geringe Hoffnung auf ein glückliches Ende des seit Montag dauernden Vermisstenfalls zerstört worden. Die Obduktion ergab eindeutig, dass es sich bei der am Donnerstag am Möhnesee gefundenen Kinderleiche um Kardelen handelt. Ein Sexualtäter hatte das Mädchen missbraucht und erstickt.
Die Schülerin hatte am Montag gegen 14 Uhr die Wohnung ihrer Eltern in Paderborn verlassen, um mit einer Freundin zu spielen. Etwa eine halbe Stunde später war Kardelen zum letzten Mal von einer Zeugin gesehen worden. Mehrere Suchaktionen am Montagabend und am Dienstag waren zunächst erfolglos geblieben.
Am Mittwoch wurden Kleidungsstücke der Vermissten an der Staumauer des Möhnesees, rund 60 Kilometer entfernt vom Elternhaus entfernt, gefunden. Seitdem hatte ein Großaufgebot der Polizei nach der Schülerin gesucht. Schließlich fand ein Spürhund Kardelen nackt und unter Reisig versteckt in einer Tannenschonung.
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