Hunderttausende zu Feierlichkeiten in Rom: Papst Johannes Paul II. ist selig gesprochen
zuletzt aktualisiert: 01.05.2011 - 12:02Vatikanstadt (RPO). Papst Johannes Paul II. ist offiziell als Seliger der katholischen Kirche anerkannt. Sein Nachfolger Benedikt XVI. hat ihn am Sonntagvormittag bei einer Festmesse auf dem Petersplatz zur Ehre der Altäre erhoben. "Der Diener Gottes Johannes Paul II., Papst, darf ab sofort Seliger genannt werden", sagte Benedikt XVI. in der feierlichen Proklamationsformel. Eine Million Menschen haben sich für die Feierlichkeiten in Rom versammelt.
Es sind beeindruckende Bilder aus Rom: Hunderttausende Gläubige sind zu der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. am Sonntag zum Petersplatz geströmt. Großbildleinwände übertragen das Ereignis überall in der Stadt. Überall sieht man polnische Fahnen, Transparente, Bilder von Johannes Paul II.
Entlang der Via de la Conziliazione, die zu dem berühmten Platz in den Vatikan führt, wartete die Menge dicht gedrängt auf ein Vorankommen. Viele der Pilger trugen polnische Fahnen. Unter ihnen waren Geistliche, Jugendliche und Familien. Papst Benedikt XVI. eröffente um 10 Uhr in einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz die Seligsprechung seines Vorgängers.
Sein Nachfolger Benedikt XVI. sprach Papst Johannes Paul II. bei der Festmesse auf dem Petersplatz selig. "Der Diener Gottes Johannes Paul II., Papst, darf ab sofort Seliger genannt werden", sagte Benedikt XVI. in der feierlichen Proklamationsformel.
Seligsprechung im Internet
Der vatikanische Medienrat twittert das Ereignis live. Unter http://twitter.com/#!/Pope2YouVatican können Kurznachrichten zu den Feiern der Seligsprechung gelesen werden.
Auch auf dem Profil www.facebook.com/vatican.johnpaul2 des sozialen Netzwerks Facebook sei die kirchliche Großveranstaltung zu verfolgen.
Auf der an Jugendliche gerichteten Seite www.Pope2You.net des Medienrates soll es am Sonntag zusätzlich möglich sein, die Seligsprechung zu "streamen", also die Fernsehbilder auf dem Smartphone oder am PC zu verfolgen.
Unter den Applaus der mehreren hunderttausend Teilnehmer wurde dann das Bild des neuen Seligen an der Fassade des Petersdoms enthüllt. Es zeigt eine Aufnahme des neuen Seligen aus dem Jahr 1995. Anschließend wurde eine Blutreliquie von Johannes Paul II. in einem wertvollen Behälter zum Papstaltar gebracht. Getragen wurde sie von der polnischen Schwester Tobiana, die den Papst viele Jahre lang als Haushälterin und Krankenschwester betreute, sowie von der französischen Ordensfrau Marie Simon-Pierre Normand. Ihre medizinisch nicht erklärliche Heilung von der Parkinson-Krankheit war vom Vatikan als ein "Wunder" auf Fürsprache von Johannes Paul II. anerkannt worden. Das Blut war in der letzten Lebensphase des Wojtyla-Papstes von den Ärzten für den Fall einer eventuellen Transfusion abgenommen, dann aber nicht mehr verwandt worden.
"Dienst der Hoffnung"
Johannes Paul II. habe den "Dienst der Hoffnung", der zuvor von Marxismus einerseits und Fortschrittsideologie andererseits vereinnahmt worden war, wieder für das Christentum beansprucht, sagte Benedikt XVI. Er selbst habe den neuen Seligen im Verlauf der 23 Jahre dauernden engen Zusammenarbeit im Vatikan "immer mehr geschätzt". Inmitten seiner vielfältigen Amtsverpflichtungen sei Johannes Paul II. immer wieder "in die Begegnung mit Gott eingetaucht".
Auch in seinem Leiden sei Johannes Paul II. "stets der Fels geblieben, wie Christus es gewollt hat", so Benedikt XVI. Seine tiefe Demut habe ihm auch in seiner Gebrechlichkeit ermöglicht, "die Kirche weiter zu leiten und der Welt eine noch beredtere Botschaft zu geben". Auf diese Weise habe Johannes Paul II. "in einzigartiger Weise die Berufung eines jeden Priesters und Bischofs verwirklicht", betonte Benedikt XVI.
Bewegt erinnerte er an den Tod und die Begräbnisfeier seines "geliebten Vorgängers" Johannes Paul II. im April 2005. "Groß war der Schmerz über den Verlust, aber noch größer war die Erfahrung einer unendlichen Gnade, die Rom und die ganze Welt umfing". Schon an jenem Tag habe man "den Duft seiner Heiligkeit" gespürt. Daher habe er einen raschen Verlauf des Seligsprechungsverfahrens gewünscht, freilich unter Beachtung der bestehenden Normen. "Heute ist der erwartete Tag gekommen; er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat: Johannes Paul II. ist selig."
Messgewand und Mitra von Johannes Paul II.
Zu der Zeremonie trug Benedikt XVI. Paramente seines Vorgängers. Sowohl das Messgewand wie auch die Mitra hatte Johannes Paul II. häufig bei liturgischen Feiern benutzt. Zudem feierte Benedikt XVI. die Messe mit dem Kelch des neuen Seligen. Konzelebranten waren neben den anwesenden Kardinälen auch die beiden Privatsekretäre des Wojtyla-Papstes: Stanislaw Dziwisz, heute Kardinal in Krakau, und Mieczyslaw Mokrzycki, Erzbischof von Lviv (Lemberg). Bei der Messe teilten 800 Geistliche die Kommunion aus.
Polizeiangaben zufolge haben sich bis zu einer Million Gläubige in Rom versammelt. Sämtliche Plätze der Stadt, auf denen das Großereignis vom Petersplatz aus übertragen wird, ebenso wie die Gegend rund um den Vatikan sind laut Behördenangaben bis an den Rand ihrer Kapazitäten gefüllt.
Die Bahre mit den sterblichen Überresten des neuen Seligen wurde wenige Stunden vor dem Beginn der Zeremonie aus den Vatikanischen Grotten vor den Hauptaltar im Petersdom verlegt.
Benedikt XVI. wendet sich an die Polen
Papst Benedikt XVI. hatte vor der Zeremonie in einer kurzen Ansprache im polnischen Fernsehen seine Freude über die Seligsprechung von Johannes Paul II. ausgedrückt. "Ich will mit Euch die Freude teilen, die mein Herz erfüllt, wenn ich daran denke, dass ich es erleben darf, dass ich Euren großen Landsmann und meinen ehrwürdigen Vorgänger zu Ehren der Altäre erhebe", sagte Benedikt XVI. am Vorabend der Seligsprechung im polnischen Staatsfernsehen TVP. "Die Kirche in Polen und die ganze polnische Nation, die er so sehr liebte, gewinnen einen neuen Patron und Fürsprecher." Die Lehre und das Zeugnis des Lebens von Johannes Paul II. zeigten den Weg zum "Haus des Vaters".
Großbildleinwände in der Stadt
Schon am Samstag waren hunderttausende Pilger nach Rom gereist. Zu der Messe am Sonntag werden 500.000 Gläubige erwartet. Da nicht alle Menschen bei dem christlichen Großereignis Platz finden können, wurden in der italienischen Hauptstadt zahlreiche Großleinwände aufgebaut.
Überall in Rom sind Bilder von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zu sehen. Straßenzüge, Fassaden, Busse und öffentliche Gebäude in der italienischen Hauptstadt sind mit Portraits des vor sechs Jahren verstorbenen Polen geschmückt.
Papst Benedikt XVI. machte Ausnahme
Es ist das kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit. Dieses kann eigentlich erst fünf Jahre nach dem Tod des Betroffenen beginnen. Im Fall von Johannes Paul II., der die katholische Kirche mehr als ein Vierteljahrhundert geprägt hatte, machte dessen Nachfolger Benedikt XVI. aber eine Ausnahme und eröffnete das Verfahren bereits drei Monate nach dessen Tod im April 2005.
Die Seligsprechung ist eine Voraussetzung für eine mögliche spätere Heiligsprechung. Während die Einstufung als Seliger widerrufbar ist, gilt die als Heiliger ewig. Der Selige darf außerdem nur in einer begrenzten Region - etwa einer Ortskirche oder einem Land - angebetet werden. Der Heilige dagegen darf auf der ganzen Welt angebetet werden, es dürfen auch Kirchen nach ihm benannt werden.
Damit ein Seliger zum Heiligen ernannt werden kann, muss noch ein zweites Wunder vorliegen, das sich erst nach der Seligsprechung zugetragen hat. Über die Heiligsprechung entscheidet allein der Papst.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







