Auch ein Holocaust-Leugner profitiert: Papst rehabilitiert konservative Bischöfe
zuletzt aktualisiert: 25.01.2009 - 14:13Rom (RPO). Nach über 20 Jahren hat Papst Benedikt XVI. die Exkommunizierung von vier Bischöfen einer traditionalistischen Glaubensgemeinschaft aufgehoben. Die Entscheidung sorgt in der jüdischen Gemeinschaft für Empörung, weil einer der Bischöfe, der Brite Richard Williamson, jüngst in einem Interview den Holocaust geleugnet hatte.
Damit ist der Papst einen weiteren Schritt auf die Priesterbruderschaft Pius X. des ultrakonservativen französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre zugegangen.
Williamson hatte im schwedischen Fernsehen behauptet, es gebe erdrückendes historisches Beweismaterial, das gegen die mutwillige Vergasung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs spreche. Es seien vielleicht 200.000 bis 300.000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen, aber kein einziger von ihnen sei vergast worden.
Das Interview wurde bereits im November in Deutschland aufgezeichnet und am Mittwochabend ausgestrahlt. Die Staatsanwaltschaft Regensburg eröffnete inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung.
Jüdische Organisationen, darunter auch der oberste Rabbiner von Rom, protestierten vehement gegen die Aufhebung der Exkommunizierung des britischen Geistlichen. Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte jedoch, es gehe hier ausschließlich darum, die Anhänger Lefebvres wieder in die Kirche zu integrieren. Die Entscheidung bedeute nicht, dass der Vatikan die Ansichten Williamsons teile. "Das hat mit der Aufhebung der Exkommunizierung nichts zu tun", sagte Lombardi.
"Vatikan muss politische Folgekosten tragen"
Shimon Samuels vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Paris erklärte indessen, man verstehe zwar den Wunsch des Papstes nach Einheit der Kirche, doch die Wiederaufnahme Williamsons werde dem internationalen Ansehen des Vatikans zum Nachteil gereichen - zumal der Papst Deutscher sei. Der Vatikan werde die "politischen Folgekosten" tragen müssen.
Führende Rabbiner forderten, der Papst müsse Williamsons Aussage klar verurteilen. Katholische Theologen bestätigten unterdessen, dass die Leugnung des Holocausts nach dem Kirchenrecht kein Grund für eine Exkommunizierung sei. Eine Lüge sei noch keine Häresie.
Papst Johannes Paul II. hatte die ohne päpstliche Zustimmung von Lefebvre geweihten Bischöfe exkommuniziert, weil er darin eine Kirchenspaltung, ein Schisma, sah. Benedikt bemüht sich seit Beginn seines Pontifikats um eine Annäherung. Er machte den Traditionalisten bereits im Juli 2007 Zugeständnisse, indem er die alte Liturgie als "außerordentliche Form" wieder zuließ. Auf Wunsch der Gläubigen kann der Gottesdienst seither wieder nach der alten, tridentinischen Messform gefeiert werden.
Zollitsch hofft auf weitere Annäherung
Der 1991 verstorbene Lefebvre hatte sich gegen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gewandt, darunter die Feier der Messe in der jeweiligen Landessprache anstatt in Latein. 1969 gründete er seine Priesterbruderschaft, in den 70er Jahren wurde er zunächst vom Bischofsamt suspendiert und 1988 gemeinsam mit den Bischöfen exkommuniziert. Zu der im schweizerischen Menzingen ansässigen Gemeinschaft gehören 463 Priester und 160 Seminaristen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erklärte, die nunmehr erfolgte Revision der damaligen Entscheidung beweise die Bereitschaft des Papstes, der schismatischen Bewegung Lefebvres einen weiteren Schritt entgegenzugehen, um die Einheit der Kirche zu fördern. Er hoffe, dass die Anhänger des verstorbenen Erzbischofs diese ausgestreckte Hand auch wirklich ergriffen.
Deren gegenwärtiges Oberhaupt, der ebenfalls rehabilitierte Bischof Bernard Fellay, dankte Benedikt für den Entschluss. Dies helfe der gesamtem katholischen Kirche. Fellay distanzierte sich auch von Williamsons Äußerungen zum Holocaust. Dessen Amt verleihe ihm nur die Autorität, sich zu Fragen des Glaubens zu äußern.
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