Organspenderin mit Tollwut infiziert: Patienten in "äußerst kritischem Zustand"
zuletzt aktualisiert: 17.02.2005 - 16:26Neu-Isenburg (rpo). Der Verdacht auf Tollwut bei der jungen Frau, deren Organe nach ihrem Tod transplantiert wurden, hat sich bestätigt. Dies hätten Tests zweier Forschungsinstitute ergeben, erklärte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Von den sechs Menschen, die Organe der Verstorbenen erhalten hätten, befänden sich drei in einem "äußerst kritischem Zustand".
Ein Mann in Hann. Münden und Marburg und eine Frau in Hannover ringen demnach mit dem Tod. Drei weitere Patienten - zwei in Mainz und einer Heidelberg - zeigen noch keine Symptome der nicht behandelbaren tödlichen Krankheit.
Bei der Patientin aus Hannover, der eine Lunge transplantiert wurde, wurde der Tollwut-Erreger nachgewiesen. Ein Sprecher der medizinischen Hochschule Hannover (MMH) sagte, der Befund sei eindeutig positiv. Der Zustand der Frau sei weiterhin sehr ernst. Die Patientin hat demnach die Klinik nach dem Eingriff am 1. Januar nicht verlassen und leidet seit einer Woche an einer Hirnerkrankung. In der MHH sollten alle Mitarbeiter, die mit der Patientin oder mit möglicherweise infektiösen Material in Kontakt kommen konnten, geimpft werden. Bislang wurden 45 Beschäftigte gegen Tollwut geimpft.
Bei dem Mann in Hann. Münden handelt es sich nach Angaben des Nephrologischen Zentrums Niedersachsen um einen 70-Jährigen, dem am 1. Januar eine Niere der Spenderin eingepflanzt wurde. Chefarzt Volker Kliem sagte auf Anfrage, dass der Patient nach drei Wochen entlassen wurde und am vergangenen Freitag mit Verdacht auf Hirnhautentzündung wieder in die Klinik kam. Der Zustand des Mannes ist Kliem zufolge sehr schlecht und seine Überlebenschancen gering. Er werde beatmet und sei nicht bei Bewusstsein.
Bereits 70 Mitarbeiter seien vorsorglich geimpft worden. Der Chefarzt korrigierte damit anders lautende Angaben eines Krankenhaussprechers.
Im Marburger Fall gebe es ein langsames Fortschreiten des typischen Krankheitsbildes, sagte der Sprecher der Uniklinik, Johannes Deucker.
Patienten in Heidelberg und Mainz weiter symptomfrei
Der Patient in Heidelberg, der die Leber der Spenderin erhalten hatte, und die zwei, die in Mainz die Augenhornhäute bekommen hatten, waren dagegen weiterhin symptomfrei. Die Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg äußerten die Hoffnung, dass es bei ihrem Patienten nicht zu einem Krankheitsausbruch kommen werde.
Das Blut des Patienten weise überdurchschnittlich viele Antikörper auf, was auf eine frühere Tollwut-Impfung deute, hieß es. Zudem sei das Virus bislang nicht direkt im Blut nachgewiesen worden. Den beiden Mainzer Patienten wurden bereits neue Augenhornhäute transplantiert. "Die Operationen sind gut und ohne Komplikationen verlaufen", erklärte der Direktor der Augenklinik, Norbert Pfeiffer.
Die in Mainz gestorbene Spenderin war am 6. Januar obduziert worden. Der Tollwutverdacht wurde laut DSO anhand von Untersuchungen des Hirngewebes der Spenderin am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und am Institut für Virologie in Essen bestätigt. "Es gibt keinen Zweifel mehr an der Diagnose", sagte Herbert Schmitz, Direktor der Abteilung Virologie des Bernhard-Nocht-Institutes.
Laut DSO hatte es am 2. Februar erste Hinweise auf eine Viruserkrankung gegeben. Bei den erkrankten Organempfängern traten die ersten Symptome um den 10. Februar auf.
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